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Ewige Ruhe in Tuch und unberührter Erde

Ewige Ruhe in Tuch und unberührter Erde

Wie die Städte der Region mit den Bestattungswünschen ihrer muslimischen Bürger umgehen.

Trier/Bitburg/Wittlich/Konz. Unberührt muss die Erde sein, in der ein Moslem bestattet wird. Und ewig soll der Verstorbene dort ruhen können. Eine muslimische Beerdigung unterscheidet sich in vielem von einer christlichen. Nach einer rituellen Waschung, Salbung und Totengebeten wird der Verstorbene in einem offenen Sarg Richtung Grab getragen und mit Blick Richtung Mekka in einem Leichentuch zur letzten Ruhe gelegt. So sieht für viele, wenn auch nicht für alle Muslime, eine würdige Beerdigung aus. Und das kann zu Problemen führen. Zählt Rheinland-Pfalz doch neben Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zu den letzten Bundesländern, in denen noch Sargpflicht herrscht. Und daran will die Landesregierung auch nichts ändern - schließlich sei es möglich, Ausnahmen zu gestatten, wenn gesundheitliche und hygienische Bedenken ausgeschlossen sind. So setzt eine sarglose Bestattung voraus, dass der Verstorbene laut Todesbescheinigung keine infektiöse Erkrankung hatte.Keine Kommune der Region ist ihren muslimischen Bürgern weiter entgegengekommen als die Stadt Konz: 2012 hatte diese vom Gesundheitsamt prüfen lassen, ob auf dem Friedhof Roscheid Tuchbestattungen unbedenklich sind und ein 1200 Quadratmeter großes Grabfeld für Muslime reserviert. Zwar müssen die Toten in einem geschlossenen Sarg transportiert werden, doch dürfen sie auch in einem Tuch in der Erde liegen. Voraussetzung ist laut Stadtverwaltung, dass dieses keine Flüssigkeit nach außen durchsickern lässt. Zudem hat Konz für 5000 Euro einen Waschraum in der Trauerhalle hergerichtet. Seitdem fanden dort fünf Bestattungen statt. Eine Zahl, die sich auch dadurch erklärt, dass viele Muslime bereits vor Jahren Versicherungen abgeschlossen haben, die ihnen ein Begräbnis in der alten Heimat garantieren. Auch die Kosten dürften eine Rolle spielen. Islamische Verbände stellen allerdings fest, dass die Zahl der muslimischen Beisetzungen in Deutschland steigt. "Das ist eine persönliche Sache. Leute, die ihre Familie in Deutschland haben, wollen lieber hier begraben werden", sagt Tevhit Yilmaz von der Konzer Ditib-Gemeinde, die mit dem Angebot der Kommune sehr zufrieden ist. Wittlich hat im Stadtteil Neuerburg bereits seit 2004 ein muslimisches Grabfeld mit 50 geosteten Grabstätten, in denen Särge aber weiter Pflicht sind. Obwohl in und um Wittlich zahlreiche Muslime leben, wurden dort erst sieben Menschen beerdigt. Darunter laut Stadtverwaltung fünf Babys, die vor dem ersten Lebensjahr gestorben sind. Bei Kindern seien die Angehörigen trotz Sargpflicht eher bereit, vor Ort zu bestatten, sagt Rainer Stöckicht von der Stadtverwaltung. Der für die Wittlicher Ahmadiyya-Gemeinde zuständige Imam Noman Khalid findet Sargbestattungen in Ordnung - in Pakistan seien diese auch üblich. Ihm ist vor allem ein separater Friedhofsbereich wichtig.Auch Halef Akdogan vom Bitburger Verein zur Betreuung muslimischer Mitbürger hält Tuchbestattungen nicht für unbedingt nötig. In Bitburg, das auf dem Friedhof Kolmeshöhe geostete Reihengräber bereitstellt, habe es deswegen noch kein Problem gegeben. Trier war die erste Stadt der Region, die ein muslimisches Grabfeld anlegte. Seit 1994 wurden dort auf dem Südfriedhof 101 Menschen beigesetzt. Derzeit etwa drei im Jahr. Da die Stadt von der zuständigen Landesbehörde aufgefordert wurde, Ausnahmen zuzulassen, dürften dort bei Bedarf auch Tuchbestattungen möglich sein. Eine TV-Umfrage zeigt: In allen anderen Kommunen der Region spielt das Thema bisher so gut wie keine Rolle. Gab es Anfragen, so wurden die Angehörigen meist an die vier genannten Friedhöfe verwiesen. Die Verbandsgemeinde Trier-Land nimmt die Umfrage allerdings zum Anlass, den Gemeinde- und Städtebund zu konsultieren. Ist das Thema doch ein grundsätzliches, das mit der steigenden Zahl der hier lebenden Muslime an Bedeutung gewinnt. Meinung

Kein neues Gesetz nötigReligionsfreiheit gehört zu den Grundprinzipien unserer Gesellschaft. Daher sollten Muslime das Recht haben, ihre Toten dem Ritus entsprechend zu bestatten - solange keine gesundheitlichen Gründe dagegen sprechen. Der Blick in die Region zeigt: So überholt eine generelle Sargpflicht auch sein mag - ein neues Gesetz braucht man nicht unbedingt. Die Kommunen können ihren muslimischen Bürgern problemlos auch jetzt schon entgegenkommen, wenn sie das wollen. Es liegt in ihrer Verantwortung. Das Beispiel Konz belegt, dass Lösungen möglich sind, die alle Seiten zufriedenstellen. k.demos@volksfreund.de