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Experte: Störfälle in Cattenom nicht beherrschbar

Cattenom. Die Sicherheitstechnik in der Atomanlage soll völlig veraltet sein. Nachrüstungen bringen angeblich nichts. Bernd Wientjes

Cattenom Die Sicherheit im Atomkraftwerk Cattenom ist hoffnungslos veraltet. Zu diesem Schluss kommt Manfred Mertins. Er war Mitarbeiter der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit und ist nun nebenberuflich als Lehrbeauftragter für Reaktorsicherheit an der Technischen Hochschule Brandenburg. tätig.

Mertins hat bereits 2016 im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen ein Gutachten über die Anlage in Lothringen erstellt. Nun hat er gemeinsam mit der atompolitischen Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, und dem Atomexperten Dieter Majer das Kernkraftwerk besichtigt. "Das Sicherheitskonzept stammt aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nachrüstungen mit dem Ziel, heute gültige Sicherheitsanforderungen zu erreichen, sind praktisch nicht möglich", sagte Mertins nach der Besichtigung des ersten von insgesamt vier Reaktorblöcken. Gezeigt wurden den beiden Fachleuten und der Grünen-Politikerin von dem stellvertretenden Kraftwerksleiter unter anderem das Lagerbecken für die Brennelemente, ein Gebäude für die Notstromversorgung, die Leitwarte und das Maschinenhaus.

"Es hat sich gezeigt, dass die Sicherheitseinrichtungen, die für die Beherrschung von Störfällen erforderlich sind, nach wie vor erhebliche Defizite aufweisen", sagte Majer im Anschluss. Er hat bereits im Auftrag der Länder Rheinland-Pfalz, Saarland und Luxemburg nach der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima das Kraftwerk Cattenom unter die Lupe genommen. Als Beobachter des damaligen Stresstests, dem sich alle europäischen Atomkraftwerke unterziehen mussten, kam Majer schon zu einem ähnlichen Ergebnis. Die Kraftwerksverantwortlichen hatten nach dem Stresstest zugesagt, die Sicherheitsvorkehrungen in Cattenom zu verbessern. Dazu Majer: "Die jetzt vorgesehenen Maßnahmen dienen lediglich dazu, Auswirkungen bei eingetreten Störfällen zu reduzieren. Sie sind aber nicht geeignet, Störfälle zu beherrschen."

Für die atompolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag steht fest, dass Cattenom ein Sicherheitsrisiko ist. "Eine alte Anlage bleibt eine alte Anlage", sagte Kotting-Uhl. Die Bundesregierung müsse sich auf EU-Ebene dafür einsetzen, dass Sicherheitsfragen grenznaher Atomkraftwerke auch grenzüberschreitend behandelt würden. Die Grünen fordern seit Längerem, dass Anrainerstaaten mitreden dürfen, wenn Atomanlagen näher als 100 Kilometer an der Grenze stehen.FEUERWEHREINSäTZE IN CATTENOM

Extra

(wie) Anfang des Monats hat es einen Feuerwehreinsatz im Maschinenraum des nichtnuklearen Bereichs von Block 3 im Kraftwerk Cattenom gegeben. Aus einer Schaltanlage trat Rauch aus. Die Mitarbeiter haben wie vorgeschrieben die Werksfeuerwehr alarmiert und gleichzeitig den Schaltschrank vom Netz getrennt. Dadurch sei die Rauchentwicklung gestoppt worden, heißt es bei dem Betreiber der Anlage, dem französischen Energiekonzern EDF. Dieser weist daraufhin, dass es nicht zu einem Brand gekommen sei. Ein paar Tage vor diesem Vorfall hat es aber tatsächlich in der Anlage gebrannt. In einem 1000 Quadratmeter großen Bürocontainerkomplex brach ein Feuer aus (der TV berichtete). Verletzt wurde niemand, 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz.