Experten kritisieren kompliziertes Aufnahmeverfahren für Syrer in Deutschland

Experten kritisieren kompliziertes Aufnahmeverfahren für Syrer in Deutschland

Obwohl Deutschland weiteren 10 000 syrischen Flüchtlingen die Einreise nach Deutschland erleichtern will, müssen diese laut Asyl-Experten monatelang auf ein Visum warten. Viele machten sich dann illegal auf den Weg.

Trier. Markus Pflüger ist sauer. Der Trierer Friedensaktivist und Sprecher des Arbeitskreises Asyl hält die von der gestern zu Ende gegangenen Innenministerkonferenz in Bonn beschlossene Aufnahme von weiteren 10 000 Flüchtlingen aus Syrien für "leere Zahlen, die mehr humanitäre Hilfe vortäuschen als tatsächlich geleistet wird". Aufgrund restriktiver Einreisebestimmungen seien von dem ersten im vergangenen Jahr von den Innenministern beschlossenen Kontingent von 5000 syrischen Flüchtlingen noch nicht einmal 800 in Deutschland aufgenommen worden. Auch Siggi Pick vom rheinland-pfälzischen Arbeitskreis Asyl kritisiert den Beschluss der Innenminister als "ausgesprochen enttäuschend". Alleine die in Deutschland lebenden Syrer hätten für rund 80 000 Familienangehörige Einreiseanträge gestellt, in Rheinland-Pfalz seien mehr als 5000 Visa für Angehörige beantragt. Pick, der Pfarrer in Bad Kreuznach ist, spricht von viel zu bürokratischen und intransparenten Aufnahmeverfahren für syrische Flüchtlinge. Um überhaupt einen Termin bei der deutschen Botschaft in der syrischen Hauptstadt Beirut zu bekommen, müssten die Ausreisewilligen eine monatelange Wartezeit in Kauf nehmen.
Syrische Flüchtlinge, die über das von den Innenministern beschlossene Kontingent einreisen wollen, müssen dies bei der deutschen Botschaft beantragen. Sie können dann, wenn das Visum erteilt ist, auf eigene Faust oder mit von der Bundesregierung gecharterten Flugzeugen aus Syrien ausreisen. In Deutschland erhalten sie dann unbürokratisch eine auf zwei Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung. Zehntausende von Flüchtlingen versuchten verzweifelt, in Deutschland "einen sicheren Platz zum Leben zu finden", sagt der Bad Kreuznacher Pfarrer. "Sie werden monatelang hingehalten. So suchen immer mehr Flüchtlinge ihr Heil bei Schleppern und setzen ihr Leben aufs Spiel, um mit Booten an die Grenzen Europas zu gelangen."
Sie reisen dann illegal nach Europa ein, viele von ihnen kommen nach Deutschland, weil sie hier Verwandte haben. Die Asylverfahren für diese Menschen würden sehr zügig durchgeführt, die Anerkennungsquote sei sehr hoch, heißt es aus dem rheinland-pfälzischen Integrationsministerium. Pflüger spricht von einer bis zu sechsmonatigen Wartezeit, bis das Asylverfahren abgeschlossen sei. Nicht selten müssen die Flüchtlinge dann so lange in der mit insgesamt 960 Flüchtlingen aus allen Nähten platzenden Aufnahmeeinrichtung in Trier bleiben. Pflüger fordert, den Flüchtlingen ein dauerhaftes Bleiberecht zu ermöglichen.

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