Experten raten: Keine Angst vor Französisch

Experten raten: Keine Angst vor Französisch

TRIER. (DiL) Ein gewichtiges Argument vieler Eltern gegen Französisch als erste Fremdsprache lautet: Damit ist unser Kind vielleicht überfordert. Englisch, so glauben viele, sei einfacher und damit günstiger für den Start. Ein Trugschluss, sagen Experten aus Trier.

Christiane Prinz hat in den letzten zehn Jahren vielleicht mehr Kindern aus der Region die französische Sprache beigebracht als jeder andere. Nicht nur an der Grundschule St. Nikolaus in Konz, wo sie trotz inzwischen erfolgter Pensionierung weiter Französisch unterrichtet. Sondern auch in zahllosen Kursen, die die Tawernerin privat oder über die Volkshochschule organisiert.Deshalb hört die engagierte Seniorin das Gerede vom "schwierigen Französisch" gar nicht gern. Die Sprache des Nachbarn sei "vom Sprechen her gar nicht so schwer". Wenn Kinder frühzeitig Gelegenheit hätten, "mit Spaß, Bewegung und Spiel" zu lernen, gebe es "keinen Grund, vor Französisch Angst zu haben, eher im Gegenteil". Wer sich schon in der Grundschule oder Kindertagesstätte erste Kenntnisse aneigne, habe dann auch in der weiterführenden Schule meist keine Probleme.

Auch Sabine Vetter, Leiterin des deutsch-französischen Kindergartens, plädiert für einen angstfreien Umgang mit der fremden Sprache. Zwar sei Französisch aus Sicht eines Erwachsenen vielleicht etwas schwieriger als Englisch, aber "für Kinder mit ihren flexiblen Denkstrukturen" sei der Unterschied nicht so groß.

"Englisch lernen sie sowieso"

Zudem spreche vieles dafür, "erst das Schwierigere zu machen", sagt Vetter. Englisch, so ihre Erfahrung, "lernen die Kinder durch Computer, Fernsehen und Popmusik sowieso". Direktor Bernhard Bremm vom Trierer Hindenburg-Gymnasium sieht das ähnlich: Ohne Englischkenntnisse verlasse "ohnehin niemand die Schule", egal, ob man sie als erste oder zweite Fremdsprache erworben habe. Wer Französisch dagegen nicht von Anfang an lernt, tut sich später oft schwer.

Dass Französisch so viel schwerer sei, dieses Vorurteil "geistert immer noch durch die Landschaft", sagt Bremm. Wenn Kinder tatsächlich auf dem Gymnasium scheiterten, liege das "nie nur an diesem einen Fach". Wer seinen Kindern schon im Kindergarten oder der Grundschule Kontakt zu Französisch ermöglicht, kann dieses Risiko weiter minimieren: Der HGT-Schulleiter bestätigt "einen spürbaren Unterschied, wenn Französisch bei den Kindern schon mal angebahnt war".