Fähnlein der Aufrechten

Gibt es eigentlich noch "die Region Trier"? Existiert eine gemeinsame lokale Zukunftsperspektive für Daun und Thalfang, Prüm und Hermeskeil, Traben-Trarbach und Saarburg? Die Realität sieht anders aus.

Seit das Land mit der Auflösung der Bezirksregierung die Tragmauern der Region eingerissen hat, streben die Räume unaufhaltsam auseinander. Man orientiert sich, je nach Lage, ökonomisch nach Luxemburg, Koblenz oder Köln. Jeder sucht sein eigenes Profil, im Tourismus und der Kultur verlaufen die virtuellen Grenzlinien längst nicht mehr entlang des alten Regierungsbezirks, sondern mitten zwischen Mosel und Eifel. Nur die Initiative Region Trier hält tapfer und sympathisch das Fähnlein der untergehenden Welt hoch. Immerhin gibt es ja noch die Planungsgemeinschaft als räumliches Pendant. Aber dass sich die IRT in den letzten Jahren so schwer getan hat, hängt damit zusammen, dass sie immer nach einer Identität gesucht hat, an der sich die Gesamt-Region hätte orientieren können - als Geschäftsgrundlage für die "Ertüchtigung" nach innen und das gemeinsame Marketing nach außen. Leider hat niemand diese Identität gefunden. Mosel, Wein, Antike? Darauf kann man sich zwischen Bernkastel und Konz problemlos einigen. Aber interessiert es auch den Gerolsteiner? Vulkane, Wälder, Krimis? Da kriegt man die Eifeler unter einen Hut, aber fühlt sich der Trierer da heimisch? Die "gemeinsame Identität" ist eine Fiktion, ergo wird die gemeinsame Verkaufe auch eine bleiben. Keine Aufgabe mehr für die IRT? Das wäre zu kurz gedacht. Denn es gibt eine Fülle einzelner Projekte, Ideen und Initiativen, die auch weiter Unterstützung brauchen. Bestimmte Vorhaben zu pushen, Know-how auszutauschen, Kontakte herzustellen: Da ist Arbeit genug. Aber eben nicht mehr mit dem hohen Anspruch, immer im Namen der ganzen Region zu handeln. Und nicht mit der lähmenden Prämisse, stets die Zustimmung aller für alles suchen zu müssen. Kleine, intelligente Lösungen sind gefragt. d.lintz@volksfreund.de

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