Fässer auf Rädern

Heute ziehen sie wieder durch die Lande, die tollkühnen Männer mit ihren fliegenden Bierkisten und ihre Kollegen von der kollektiven Aktion "Fässer auf Rädern". Der Vatertags-Wettlauf zwischen Lautstärke- und Alkoholpegel wird wie alle Jahre unentschieden ausgehen, weil im Laufe der Zeit der eine wie der andere bis zur Schmerzgrenze ansteigt, wobei der Lautstärkepegel nach Erreichen des Höhepunkts erfahrungsgemäß deutlich schneller absackt als der des Alkohols.

Wie dem auch sei: Den mannhaften Feierern sei ihr Vatertag von Herzen gegönnt - es wird wohl sowieso einer der letzten seiner Art sein. Denn die deutschen Männer, so hat es diese Woche eine Studie der Bundesregierung an den Tag gebracht, wollen gar keine Väter mehr werden. Seit die Auswüchse emanzipatorischen Gedankenguts in Gestalt gefüllter Windeln und ätzender Hausarbeiten selbst die nicht-alternativen Durchschnittsväter erreicht haben, überlegt sich der einstige Haushaltsvorstand zwei Mal, ob er unter derart unwürdigen Umständen das Risiko der Vaterschaft tatsächlich auf sich nehmen will. Wenn nun die eine Hälfte der männlichen Deutschen aus solchen Erwägungen heraus als Vater ausfällt, und die andere Hälfte wohl gerne würde, aber aufgrund zunehmender Umweltbelastung zwar durchaus zeugungswillig, aber womöglich nicht mehr -fähig ist, dann ist der Tag, an dem es hierzulande so gut wie keine Väter mehr gibt, nicht mehr fern. Ohne Väter aber verliert der Vatertag seine Geschäftsgrundlage. Spätestens bei der nächsten Sparrunde wird die Bundesregierung auf den Trichter kommen und den Feiertag abschaffen, an dessen eigentlichen Anlass sich sowieso kaum jemand erinnern kann. Was hör' ich da? Das sind meistens noch gar keine Väter, die da feiern? Und wenn die abends gut gestimmt nach Hause kommen, vergessen sie vielleicht im Rausch der Sinne und Promille ihre spermatozoische Zurückhaltung? Na gut, dann muss man über die Sache mit der Abschaffung wohl noch mal in Ruhe nachdenken. d.lintz@volksfreund.de