Fakten statt Freibriefe

Die Einwohner der Moselgemeinde Enkirch werden von der behördlich angeordneten Sperrung ihres Brunnens nichts bemerkt haben. Das Wasser fließt immer noch aus dem Hahn wie der Strom aus der Steckdose.

Die Einwohner der Moselgemeinde Enkirch werden von der behördlich angeordneten Sperrung ihres Brunnens nichts bemerkt haben. Das Wasser fließt immer noch aus dem Hahn wie der Strom aus der Steckdose. Gut, dass die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich nach Bekanntwerden der Trinkwasseranalysen rasch reagiert, den Brunnen vorsorglich vom Leitungsnetz genommen und die Bürger informiert hat. Kein Grund zur Besorgnis, alles bestens, lautet die amtlich verkündete frohe Botschaft.Fraglich allerdings, ob die Entwarnung nicht ein wenig zu früh kommt. Noch ist die gemessene Belastung mit dem Krebs erregenden Kohlenwasserstoff Naphthalin zwar gering, liegt unterhalb des Grenzwerts. Nicht auszuschließen aber, dass später gezogene Proben andere Werte ergeben - womöglich höhere. Unabhängig davon hat die für die Brunnen-Schließung zuständige Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich ein Problem: Von der Behörde erwarten die Bürger eine Antwort auf die Frage, woher die Verunreinigung (und sei sie noch so klein) kommt. Frühzeitig Freibriefe zu verteilen, wie dies die Kreisverwaltung am Mittwoch in Bezug auf eine angeblich unmögliche Verunreinigung mit teerhaltigem Straßenaufbruch getan hat, kommt nicht gut an, ist unglaubwürdig.

In Enkirch ist jetzt eingetreten, was viele Bürger schon lange befürchten: Ihr Trinkwasser ist verunreinigt, wenn auch nicht durch in den Bach gelangtes Enteisungsmittel vom Flughafen Hahn. So lange aber die tatsächliche Ursache nicht gefunden und beseitigt ist, werden die Spekulationen ins Kraut schießen. Daran aber kann niemandem gelegen sein. Glaubwürdig bleibt die Kreisverwaltung nur, wenn sie Fakten vorlegt und nicht vorschnell Freibriefe verschickt.

r.seydewitz@volksfreund.de