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Falsche Papiere und viel Hoffnung im Gepäck

Falsche Papiere und viel Hoffnung im Gepäck

Sie geben ihr letztes Geld dafür aus, der Armut zu entfliehen, in Deutschland ein neues Leben zu beginnen. Dafür nehmen sie unglaubliche Strapazen auf sich, laufen Gefahr entdeckt und abgeschoben zu werden: illegale Einwanderer.

Der März war ein außergewöhnlicher Monat für die Trier er Bundespolizei. 100 illegale Eingereiste griffen die Bundespolizisten entlang der Grenzen zu Belgien und Luxemburg - und auch am Flughafen Hahn auf. Normalerweise seien es im Schnitt 50 illegale eingereiste Flüchtlinge im Monat, sagt Ralf Gnüchtel, Inspektionsleiter der Bundespolizei in Trier.
Der März sei daher ein Ausreißer gewesen. Er führt das auf "konzentrierte Maßnahmen" entlang der Grenzen zurück. Man habe gezielt kontrolliert. Mit Erfolg.

Manche wollen gezielt nach Trier

Die meisten der im März aufgegriffenen Flüchtlinge stammen laut Gnüchtel aus dem ehemaligen Jugoslawien oder aus Vorderasien. Ob die auffallend hohe Zahl eine Tendenz darstellt, dass die Zahl der illegal Eingereisten in der Region zunimmt, vermag der Inspektionsleiter noch nicht zu sagen. Generell sei die Zahl der unerlaubt nach Deutschland gereisten Menschen, die von der Bundespolizei in der Region aufgegriffen werden, mit rund 600 pro Jahr seit einiger Zeit mehr oder weniger stabil.
Nicht alle wollten hier in der Region bleiben, viele waren quasi auf der "Durchreise". Einige der Flüchtlinge wollten aber gezielt nach Trier, weil sich dort die zentrale Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende in Rheinland-Pfalz befindet und sie hoffen, dass dort schnell ihr Asylantrag bearbeitet wird.
Der Flughafen Hahn hat sich laut Bundespolizei seit geraumer Zeit zu einer Drehscheibe für Schleuserkriminalität entwickelt. So wurden im März bei einem 29-jährigen Ghanaer und bei einem 33-jährigen Marokkaner am Flughafen falsche Papiere entdeckt. Keine Seltenheit.

Immer öfter entdeckten die Bundespolizisten am Hahn bei Kontrollen professionell gefälschte Ausweise und Reisepässe. Häufig stammen die Flüchtlinge aus Bürgerkriegsländern wie Syrien oder Afghanistan oder auch aus Afrika, würden dann in Italien oder Griechenland mit Papieren und Flugtickets ausgestattet.
Sie würden zum Hahn fliegen und von dort aus weiter, zumeist nach Großbritannien. Der Flughafen Hahn als Transit-Drehscheibe für Flüchtlinge, die zumeist wegen Unruhen oder auch vor der Armut aus ihrem Heimatland fliehen.
Und für diese Flucht geben sie nicht zuletzt alles, was sie haben. Bis zu 15 000 Euro müsse etwa eine Familie aus Mazedonien bezahlen, um nach Deutschland gebracht zu werden, obwohl das Risiko hoch sei, dass hier ihr Asylantrag abgelehnt werde: Und sie Deutschland wieder verlassen müssen, zurückgeschickt werden, in die Armut, die sie verlassen wollten - und dann aber oft mittellos dastehen, weil sie ihr Geld den Schleusern gegeben haben.
Oft seien die Schleuser Mitglieder einer professionellen Organisation. Zumeist säßen die Hintermänner irgendwo im Ausland, sagt Gnüchtel. Jedenfalls selten in der Region.

Laut Landeskriminalamt (LKA) ist Rheinland-Pfalz ohnehin keine Hochburg für Schleuserkriminalität. Die Hauptschleusungsrouten aus Süd- und Südosteuropa verliefen über Österreich, Tschechien und Polen, sagte eine LKA-Sprecherin gegenüber unserer Zeitung.
Trotzdem stoßen die Fahnder auch in Rheinland-Pfalz hin und wieder auf Schleuser. So wurde vergangene Woche in Ludwigshafen ein 43-Jähriger verhaftet, der im Verdacht steht, im großen Stil Asiaten mit falschen spanischen Ausweisen in Deutschland eingeschleust zu haben.
Er soll ihnen Scheinehen mit Frauen aus Deutschland und anderen EU-Staaten vermittelt und dafür bis zu 10 000 Euro von den Flüchtlingen verlangt haben.