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Falsche Rechnung und fehlendes Geld

Falsche Rechnung und fehlendes Geld

Im Juli will das Trierer Landgericht entscheiden, ob die Kündigung des ehemaligen Topmanagers bei der Unternehmensgruppe Reh, Hans-Jürgen Lichter, rechtmäßig war. Gestern wurden einige Vorwürfe, die zur Entlassung geführt haben, vor Gericht erörtert.

Trier. Hans-Jürgen Lichter wirkt angespannt. Wäre es nach dem ehemaligen Chef der Kloster Machern AG gegangen, dann wäre die Verhandlung vor der Handelskammer des Trierer Landgerichts überflüssig gewesen. Dann hätte er sich mit seinem früheren Arbeitgeber, dem Trierer Unternehmer Nick Reh, geeinigt. Darüber, dass seine Kündigung als Vorstandsvorsitzender der zur Reh-Gruppe gehörenden Kloster Machern AG im März vergangenen Jahres rückgängig gemacht wird. Doch Reh stimmt einer solchen Einigung nicht zu. Der gelernte Küchenmeister hat seit 2003 in Diensten der Reh-Gruppe gestanden, zunächst als Vorstand des Trierer Bürgervereins (TBV), der zur Günther-und Käthi-Reh-Stiftung gehört, die wiederum zum Unternehmensimperium der aus Leiwen stammenden Familie Reh (Sektkellerei Schloss Wachenheim) gehört, später als Vorstandsvorsitzender der Stiftung und der dazu gehörigen Kloster Machern AG. Reh wirft Lichter vor, das Vertrauen zu seiner Familie grob missbraucht zu haben und dass er bei einem Grundstücksgeschäft auf dem ehemaligen Klostergelände St. Paul in Wittlich zum eigenen Vorteil der Reh-Gruppe einen Schaden von angeblich 9,8 Millionen Euro zugefügt habe.Bei der gestrigen Verhandlung ist es um drei Vorwürfe gegangen, die aus Sicht von Reh die Kündigung Lichters rechtfertigen: Illegale Beschäftigung einer Mitarbeiterin in einer Luxemburger Tochterfirma: Eine ehemalige Mitarbeiterin des TBV bestätigt vor Gericht, dass sie als Prokuristin einer luxemburgischen Tochterfirma des Bürgervereins eingesetzt worden ist. 2007 ist die finanziell in Schieflage geratene Firma von Luxemburg-Stadt, wo es wohl einen Briefkasten, aber kein Büro gegeben hat, ins luxemburgische Remich verlagert worden. Dort sei ein Raum bei einer Unternehmerin angemietet worden, sagt die frühere Mitarbeiterin. Telefonanschluss, Fax und Computer habe es dort nicht gegeben. Erreichbar sei sie über ein in Luxemburg angemeldetes Handy gewesen. Besprechungen hätten im Esszimmer der Vermieterin stattgefunden. Nach Remich sei sie gefahren, um Post zu holen, ansonsten habe sie in Trier gearbeitet. Reh wirft Lichter vor, die Frau zum Schein in Luxemburg beschäftigt zu haben, um Steuern und Sozialabgaben zu sparen. Das Trierer Finanzamt hat im vergangenen Jahr bestätigt, dass es keine Hinweise auf Steuerhinterziehung entdeckt habe. Stiftungsgründer Günther Reh hat allerdings wohl selbst die Reißleine gezogen. In einem Brief soll er 2008 den Beirat des TBV darauf hingewiesen haben, dass durch die Beschäftigung der Mitarbeiterin in Luxemburg Steuerbetrug begangen worden sein könnte. Kurz danach sei sie ausschließlich in Trier beschäftigt gewesen, sagt die Frau vor Gericht und fügt hinzu: "Bei uns wurde gemacht, was Reh gesagt hat."Manipulierte Rechnung: Eine Buchhalterin der Reh-Gruppe bestätigt vor Gericht, dass Lichter sie 2011 angewiesen habe, eine Rechnung für ausgeführte Erdarbeiten an der Kita St. Paul in Wittlich auf ein anderes Projekt umzubuchen. Hintergrund soll gewesen sein, dass damals noch kein Bauantrag für die Kita gestellt worden sei. Die Arbeiten hätten demnach nicht gemacht werden dürfen. Erst wenn der Bauantrag vorliege, soll die Rechnung für die Erdarbeiten auf das Kita-Projekt umgebucht werden, soll Lichter sie angewiesen haben. Darüber hat sie einen Aktenvermerk angefertigt. Den hat sie nach Lichters Entlassung an den Aufsichtsrat der Reh-Stiftung weitergeleitet. Fehlende Kaution für Gastronomie-Vermietung: Lichter soll bei der Vermietung der Gastronomie in dem der Reh-Gruppe gehörenden Kloster Machern keine Kaution von den neuen Gastronomen verlangt haben. Der Geschäftsführer des Koblenzer Unternehmens, das den Betrieb in dem Kloster übernommen hat, bestätigt, dass er nicht 30 000 Euro Kaution bezahlt habe. Im Gegenzug habe er das vorhandene Inventar sowie neue Geräte für 35 000 Euro gekauft. Das Gericht will am 18. Juli entscheiden, ob die Kündigung Lichters rechtmäßig war. wie