Fatale Alternative

Schade eigentlich: Wann immer man geneigt ist, wider Erfahrung und Vernunft doch zu glauben, dass es im olympischen Sport sauber und ohne faule Doping-Tricks zugeht, zerschlägt ein krachender Skandal die letzten Illusionen.

Es geht um Millionen, um Nationalstolz, um Einschaltquoten: Da ist die Versuchung groß, ein bisschen nachzuhelfen. Wahrscheinlich, so denkt der geneigte Doper, tun's die anderen ja auch. Genau das ist der Punkt. Wer diejenigen schützen will, die bei diesem Spiel nicht mitmachen, muss in Sachen Doping hart durchgreifen. Auch wenn bewaffnete Carabinieri, die Sportler zum Zwangs-Test abführen, ein ziemlich widerlicher Anblick sind. Aber wenn die Manipulation durch verbotene Medikamente oder anderweitige Praktiken zum Kavaliersdelikt wird, das man - zumindest bei Landsleuten - mit nachsichtigem Augenzwinkern duldet, steht die saubere Mehrheit der Athleten irgendwann vor der fatalen Alternative, selbst zu dopen oder sich mit Plätzen unter ferner liefen zu begnügen. Was im Lager der österreichischen Biathleten passiert ist, legt genau diesen Verdacht nahe. Unvorstellbar, dass ein wegen Dopings gesperrter Trainer im offiziellen Sportler-Quartier nächtigt, ohne dass die allgegenwärtigen Offiziellen es bemerken. Zumal er seine Anwesenheit im Trainingsbetrieb per Presse angekündigt hatte. Unbegreiflich, dass Gerätschaften für Transfusionen und Medikamente in Klinik-Bedarfsgrößen kursieren, ohne dass jemand es bemerkt. Das riecht nach Duldung durch höhere Stellen. Und dann reicht es nicht, die unmittelbar Beteiligten als Sündenböcke zu schlachten. d.lintz@volksfreund.de