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Fehler, Pannen und viele offene Fragen

Fehler, Pannen und viele offene Fragen

LUXEMBURG. Vier Tage früher als geplant wurde gestern der Abschlussbericht zum Fokker-Absturz im vergangenen Jahr vorgestellt. Pannen werden offen gelegt, doch viele Fragen bleiben unbeantwortet.

Er sei geschockt und zugleich erleichtert. Endlich herrsche Klarheit über das, was am 6. November 2002 wirklich passiert ist. "Heute ist ein schwarzer Tag", sagt Luxair-Chef Christian Heinzmann im Hinblick auf die Vorwürfe gegen die beiden Fokker-Piloten und seine Fluglinie. Erst am Morgen hat er den 180 Seiten starken auf Englisch geschriebenen Abschlussbericht zum Fokker-Absturz im vergangenen Jahr erhalten. Und der lässt keinen Zweifel zu: Die Piloten der Unglücksmaschine tragen Mitschuld an der Katastrophe. Von fehlender Absprache zwischen dem 27-jährigen Piloten und seinem Co-Piloten, von Missachtung von Anweisungen aus dem Tower vom Luxemburger Flughafen, von eigenmächtigen Entscheidungen des Piloten ist die Rede. Trotzdem versucht der Luxemburgische Transportminister Henri Grethen am Morgen jede Schuldzuweisung zu vermeiden. Der Bericht bewerte lediglich was geschehen sei und wie man es künftig verhindern könne. "Wer Schuld hat, muss der Staatsanwalt feststellen", sagt Grethen. Ob ein Verantwortlicher strafrechtlich belangt werden könne, habe der Untersuchungsrichter zu klären, sagt Staatsanwalt Robert Biewer. Die Schuld-Frage könnte sich auch auf die Schadenersatzansprüche auswirken. Noch hat keiner der Hinterbliebenen der 20 Opfer Klage gegen die Luxair eingereicht. Eine Million Euro habe die Fluggesellschaft bislang an Entschädigungen gezahlt, sagt Finanzchef Jean-Pierre Walesch. Er sieht mögliche Klagen gelassen. Die Luxair sei ausreichend versichert. Immerhin wird der Luxair eine Mitschuld gegeben. Die Flugsicherheit sei nicht ausreichend gewesen, sagt Staatsanwalt Biewer. Und im Bericht wird bemängelt, dass die rund 160 Luxair-Piloten unterschiedliche Ausbildungen hätten. Aus neun verschiedenen Ländern stammen die Fluglizenzen. So wurde der Unglücks-Pilot, der beim Landeanflug der Fokker am Steuer saß, obwohl es in Luxemburg wohl üblich ist, dass der Co-Pilot den Heimatflughafen anfliegt, in Kuala Lumpur für Fokker-Flüge ausgebildet. Sein Co-Pilot wurde in Maastricht und Stockholm geschult. Heinzmann lässt keine Kritik an der Erfahrung des heute 28-Jährigen zu. Dass er mit 27 bereits Pilot gewesen sei, habe nichts damit zu tun, dass er der Sohn des früheren Chefpiloten von Luxair sei. Weil es zu wenige Flugzeugführer für die vier Fokker gegeben habe, sei die Ausbildung von ihm und drei weiteren Piloten vorgezogen worden.Chefpilot wurde im Frühjahr gefeuert

Es hat bereits Konsequenzen nach dem 6. November 2002 bei Luxair gegeben. Nachdem bereits im Frühjahr im Zwischenbericht über den Absturz von Pilotenfehlern die Rede war, ist der Chefpilot gefeuert worden. Heinzmann habe ihm nicht mehr vertraut, heißt es. Bis zuletzt habe er vehement einen Pilotenfehler verneint. Vor allem aber habe man seit vergangenem Jahr alles, was die Piloten betreffe, verbessert, sagt Luxair-Sprecher Marc Gerges. Man könne nun auch die Flugzeugführer im Cockpit überwachen, was wohl den Zorn der Pilotenvereinigung ausgelöst hat, die den Datenschutz in Gefahr sieht. Doch nicht nur die Piloten sind sauer auf die Fluggesellschaft. Auch Grethen macht aus seiner Wut keinen Hehl. Von der Änderung der Pilotenweiterbildung und der Lizenzvergabe weiß man im Luxemburger Transportministerium offiziell nichts. "Das wird Konsequenzen haben", schnaubt Grethen. Luxair-Chef Heinzmann wiederum verweist auf die Zuständigkeit des Verwaltungsratspräsidenten Alain Gorges. Ein neues Politikum in Luxemburg dürfte sicher sein. Zumal Grethen auch nicht ungeschoren bleibt im Abschlussbericht. Die Aufsicht über Luxair, die seit Jahren bei einem unabhängigen Büro liegt, müsse überprüft werden, heißt es. Sollte es da Unregelmäßigkeiten geben, werde er "keine Sekunde" zögern, Konsequenzen zu ziehen, kündigt Grethen an. Dass in der Ursprungsfassung des Berichtes weitere Vorwürfe gegen das Ministerium erhoben werden, glauben zumindest Luxemburger Journalisten. Immerhin räumt Grethen ein, dass die erste Fassung des Berichtes seit gut zwei Monaten vorliegt und einige Passagen in der Endfassung geändert worden sind.