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Feldvorteile vorerst verspielt

Feldvorteile vorerst verspielt

Im Nachhinein wird der Kanzler vielleicht doch daran zweifeln, ob es klug gewesen ist, die Finanzierung der vorgezogenen Steuerreform mal eben so von Finanzminister Eichel aus dem Ärmel schütteln zu lassen.

Das Ergebnis dieser Zack-Zack-Aktion sind Steuersenkungen fast ausschließlich auf Pump. Vom großartigen und sinnvolleren Mix aus Schulden, Subventionsabbau und Privatisierungen ist jedenfalls nur mit dem Fernglas am Horizont etwas zu sehen. Aber nicht nur das. Man könnte fast den Eindruck haben, dass sich der ausgebuffte Taktiker Gerhard Schröder diesmal verschätzt hat. Er scheint gehofft zu haben, durch die Vorlage der Gegenfinanzierung den Fokus einmal mehr auf die in dieser Frage zerrissene und blockierte Union konzentrieren zu können. Das Wirrwarr in den C-Parteien wollte er weiter anheizen, den Druck erhöhen, endlich eigene und schmerzhafte Vorschläge zu präsentieren, wogegen sich die Unionisten ja so standhaft wehren. Das ist Schröder aber weitestgehend misslungen. Denn was ist passiert? Über ihn und Eichel rollt jetzt eine Lawine der Ablehnung, nicht nur seitens der Opposition. Selbst im rot-grünen Lager gehen viele auf Distanz zu Steuersenkungen auf Pump und fordern deutliche Nachbesserungen. Das kann der Kanzler nicht gewollt haben. Hätte er sich doch ein wenig mehr Zeit gelassen - dann wäre vielleicht am Ende ein wirklicher Mix der Maßnahmen zur Finanzierung der Entlastungen möglich gewesen. Und der Sommertheater-Ball würde tatsächlich weiter im Feld von CDU und CSU liegen. So aber hat Mittelstürmer Schröder Feldvorteile vorerst verspielt. nachrichten.red@volksfreund.de