Filmen verboten, Fotos erlaubt: Kompromiss für Nutzung von Wildkameras gefunden

Filmen verboten, Fotos erlaubt: Kompromiss für Nutzung von Wildkameras gefunden

Wer im Wald mal schnell hinterm Baum verschwindet, muss nun nicht mehr fürchten, auf einem Video zu landen. Jäger und Datenschützer haben einen Kompromiss bei der Nutzung von Wildkameras gefunden. Sie bleiben in Rheinland-Pfalz erlaubt, wenn sie lediglich Fotos schießen und abseits von Wegen hängen.

Dämmerlicht. Ein Ästchen knackt. Argwöhnisch witternd stakst ein Reh ins Bild. Im Normalfall halten Wildkameras genau das fest: Wild. Rehe, Füchse, Wildschweine. Seltener landen Luchse oder Wildkatzen vor der Linse. Ab und an erwischt es auch Spaziergänger, Pilzsammler, Naturfreunde oder Männer, die ihre Frauen betrügen. So erging es 2012 einem Politiker aus dem österreichischen Kärnten. Die Kamera hielt das Schäferstündchen mit seiner Geliebten fest. Die Medien stürzten sich auf den Fall. Und die heftige öffentliche Debatte, die folgte, schwappte schnell nach Deutschland über: Muss man nun selbst im Wald Videoüberwachung fürchten? Darf man solche Kameras überhaupt aufhängen? Der rheinland-pfälzische Datenschutzbeauftragte gab 2013 eine deutliche Antwort: Er forderte ein Verbot der Wildkameras.

Zu diesem Verbot ist es nicht gekommen. Stattdessen haben sich Landesdatenschutzbeauftragter und Landesjagdverband nach langen Verhandlungen nun auf einen Kompromiss geeinigt. Ein Kompromiss, den beide Seiten loben:
Jäger dürfen demnach weiterhin Wildkameras aufhängen. Tabu ist allerdings der Videomodus. Lediglich Fotos sind erlaubt. Zudem muss die Bildfrequenz so eingestellt sein, dass ein Waldbesucher das erfasste Gebiet durchqueren kann, ohne mehrfach abgelichtet zu werden. Aufhängen sollen Jäger die Kameras abseits von Wegen - und zwar in Kniehöhe oder mit einem steilen Aufnahmewinkel nach unten. Dies alles soll die Wahrscheinlichkeit senken, dass ein Mensch fotografiert wird. Wer sich genau im steilen Winkel zum Liebesspiel niederlässt, hat freilich Pech gehabt. Allerdings müssen Bilder von Personen unverzüglich gelöscht werden.

Der Landesjagdverband freut sich über die neue Rechtssicherheit und das Ende der "sehr emotional geführten Diskussionen". "Die Richtlinien heben sich wohltuend von stringenteren Vorgaben in anderen Bundesländern ab", sagt Dieter Mahr, Vizepräsident des Verbands. So müssen saarländische Jäger ihre Kameras beim unabhängigen Datenschutzzentrum Saarland anmelden. Dieser bürokratische Aufwand entfällt in Rheinland-Pfalz. Auch Gerd Grebener und Karl-Heinz Neumann von der Kreisgruppe Bitburg-Prüm des Jagdverbands sind mit den neuen Regeln zufrieden. Videos würden gar nicht benötigt, sagt Neumann. Es sei ohnehin praktischer, Fotos zu machen, da die Kamera nur dann auslöst, wenn es wirklich was zu sehen gibt. Und aufgehängt würden sie dort, wo Tiere regelmäßig vorbeikommen, wo man sie aber nicht stören will - zum Beispiel an Wildwechseln oder Suhlstellen. Neumann schätzt, dass Jäger ein bis zwei Kameras pro Revier platzieren. "Es ist das Ansinnen von keinem Jäger, Personen zu fotografieren", betont Grebener. Es gehe darum Informationen zu gewinnen, ohne das Wild zu stören: Wie viele Tiere und welche sind wann und wo unterwegs. Dieses Wissen ermögliche eine effizientere Jagd.

Stefan Brink, Leiter Privater Datenschutz beim Landesbeauftragten für den Datenschutz, schätzt die Zahl der Kameras, die in rheinland-pfälzischen Wäldern hängen, auf über 20.000. Eine Zahl, die auf Umfragen bei Discountern zurückgeht, welche die Geräte schon für unter 100 Euro anbieten. Brink verweist darauf, dass Rheinland-Pfalz ein sehr liberales Waldrecht (siehe Extra) habe. "Wenn der Bürger sich im Wald überall aufhalten darf, dann darf es auch keine Orte mit Videoüberwachung geben", sagt Brink, dem das Verbot von Videoaufnahmen daher besonders wichtig war. Auch er freut sich über die nun erzielte Einigung - zumal mehr als 100 Anzeigen bewiesen hätten, dass viele Waldbesucher ein Problem mit den Kameras hatten. Apparate, die - im Idealfall - jetzt nur noch scheue Rehe und anderes Wild ablichten.

Extra Landeswaldgesetz

"Jeder darf Wald zum Zwecke der Erholung betreten", heißt es im Landeswaldgesetz. Die Lebensgemeinschaft Wald und die Bewirtschaftung des Waldes dürften dabei allerdings nicht gestört werden. Auf die Walderholung sowie auf Nutzungsrechte anderer sei gegenseitige Rücksicht zu nehmen. Während Pilzsammler demnach querfeldein laufen dürfen, sind Radfahren und Reiten im rheinland-pfälzischen Wald nur auf Straßen und Waldwegen erlaubt. Mit dem Auto, mit Kutschen, Schlitten, Hundegespannen oder Anhängern darf man nur dann in den Forst, wenn man die Zustimmung des Besitzers hat. Auch, wer im Wald zelten oder Veranstaltungen organisieren will, braucht eine Genehmigung. Das Gleiche gilt für das Betreten von Naturverjüngungen, Forstkulturen und Pflanzgärten sowie für das Betreten von Flächen, in denen Holz geschlagen wird. Mos

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