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Trier: Insolvenzen bei Unternehmen werden 2022 wohl ansteigen

Insolvenzen : Insolvenzen in der Region Trier: Gefahr von Zombie-Unternehmen steigt

Mehr Firmeninsolvenzen im Bund, weniger in der Region, aber keine Pleitewelle: Experten gehen davon aus, dass es nach einem Rekordtief im Corona-Jahr 2021 im kommenden Jahr erstmals seit langem wieder mehr Unternehmenszusammenbrüche geben wird. Warum einiges dafür spricht.

Den staatlichen Corona-Hilfsmilliarden sei Dank: Trotz teils massiver Einschränungen wie Lockdowns und Zugangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie für Gastronomie, Handel und Tourismus zeichnet sich bislang keine Pleitewelle von Unternehmen ab. Zwar registriert die Wirtschaftsauskunftei Creditreform bundesweit mehr Unternehmensinsolvenzen, in der Region ist die Zahl der Firmenpleiten jedoch leicht zurückgegangen. So sind bis Ende Oktober in der Region Trier 91 Firmenpleiten gemeldet, sechs weniger als zum gleichen Zeitpunkt im Vorjahr mit 97. Zum Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten: Im Jahr 2019 waren es noch 137 Insolvenzen.

Doch dieses Phänomen ist laut den Experten nur eine Momentaufnahme, die sich 2022 schon wieder ändern könnte. „Wir gehen zwar nicht von einer Insolvenzwelle aus, rechnen im kommenden Jahr aber mit einem Anstieg insbesondere im Handel und der Gastronomie. Im gewerblichen Bereich dürften die Zahlen stagnieren“, sagt der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Es wäre demnach der erste Anstieg der Firmeninsolvenzen seit dem Jahr 2009.

Anstieg der Insolvenzen auch in der Region Trier erwartet

Dieser Trend könnte auch die Region Trier erfassen, ist Herbert Eberhard, Geschäftsführer von Creditreform Trier, überzeugt. So gebe es einerseits Betriebe, die sich dank der Corona-Hilfen über Wasser halten: „Wenn diese Hilfen auslaufen, wird es wieder mehr Unternehmensinsolvenzen geben“, sagt er. Und in Handel, Gastronomie und bei kleineren Unternehmen durch alle Branchen hindurch registriert Eberhard zunehmend Schließungen, weil Betriebe aufgrund schwieriger gewordener Personalplanung und angesichts der finanziellen Folgen nach der Pandemie den Bettel hinwerfen und Geschäft und Gaststätte schließen. „Die Zahl derer könnte weiter zunehmen“, sagt er.

Auch Creditreform-Experte Hantzsch warnt angesichts immer weiter laufender Corona-Hilfen: „Die Kehrseite der Medaille ist die wachsende Zahl an potenziellen Zombie-Unternehmen, deren Entstehen durch die weiter fortgeführte Subventionspolitik gefördert wird.“ Heißt: Nur dank der staatlichen Unterstützung wird ein Teil der Unternehmen am Leben erhalten.

Zwar sieht die Deutsche Bundesbank bislang noch keine Anzeichen dafür, dass nicht überlebensfähige Firmen mit staatlichen Hilfsgeldern künstlich über Wasser gehalten werden, sagt Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch: Man müsse die Lage im Unternehmenssektor aber sehr genau beobachten. „Wir wollen sicherlich nicht in eine Situation kommen, dass wir Insolvenzen verschleppen.“

Weniger Gewinn für die meisten Unternehmen rund um Trier

Doch die Finanzlage ändert sich allmählich für die Unternehmen, und damit werden auch die Folgen der Pandemie spürbar. Für die gesamten Betriebe in der Region Trier rechnet Herbert Eberhard „auf breiter Basis in fast allen Betrieben mit weniger Gewinn und niedrigerern Margen“, sagt er. Der Grund: „Wir haben eine stark mittelständisch geprägte Industrie, die gerade bei den Automobilzulieferrn derzeit weniger Aufträge hat“, sagt der Auskunftei-Chef. Und die sei punktuell sehr konjunkturabhängig: „Hier könnten wir einen Aufschwung gut gebrauchen.“

Die Pandemie und ihre Folgen allein seien für große Unternehmen zwar kein unüberwindbares Problem: „Die Lieferschwierigkeiten wurden vielfach abgefangen durch eine Umorganisation. Allerdings gibt es weniger Umsatz und Gewinn bei gleichen Kosten durch das Personal.“ Denn laut Eberhard seien die Beschäftigten weit weniger häufig als von der Auftragslage her in Kurzarbeit geschickt worden, um sie angesichts des allgemeinen Fachkräftemangels halten zu können. Und so rechnet er für 2022 „mit schlechteren Unternehmensbilanzen in der Breite der regionalen Wirtschaft“.

Um eine Pleitewelle in der Corona-Krise 2020 abzuwenden, hatte der Staat zeitweise auch die Pflicht zum Insolvenzantrag bei Eintritt von Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit ausgesetzt. Seit dem 1. Mai dieses Jahres gilt die Insolvenzantragspflicht wieder vollumfänglich. Ausnahmen gibt es nur noch für Betriebe, die im Sommer Schäden durch Starkregen oder Überflutungen erlitten haben.

Wie sieht die Lage bei den Verbraucherinsolvenzen aus?

Deutlich gestiegen sind im Vergleich zu den Firmenpleiten die Privatinsolvenzen. Bundesweit nehmen sie in diesem Jahr um 80,9 Prozent zu, in der Region sogar um rund 88 Prozent. Gab es 2020 in der Region Trier noch 328 Privatinsolvenzen, so sind es derzeit bislang 617.

Laut Creditreform-Geschäftsführer Herbert Eberhard ist dies eindeutig auf die Reform des Insolvenzrechts zurückzuführen, das eine Verkürzung der Restschuldbefreiung beinhaltet. Danach werden überschuldete Verbraucher nach drei statt wie bisher nach sechs Jahren von ihren restlichen Schulden befreit. „Mit Blick auf die Gesetzesänderung haben im vergangenen Jahr viele betroffene Verbraucher mit ihrem Insolvenzantrag gewartet“, sagt er. „Nun ist es 2021 zu massiven Nachholeffekten gekommen." Und so rechnet der Jurist vorläufig noch – auch coronabedingt infolge von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit und damit einhergehend mit mehr verschuldeten Haushalten – mit einer steigenden zahl an Verbraucherinsolvenzen, wenn auch nicht so stark wie zuletzt. „Ab der zweiten Jahreshälfte 2022 dürfte sich  die Zahl der Verbraucherinsolvenzen wieder normalisieren.“