Flache Hierarchie führt zum Erfolg

Flache Hierarchie führt zum Erfolg

Auf motivierte Schüler kommt es an: Was eine gute Schülerzeitung ausmacht, wissen Ralf Säuberlich und Reinhold Hachgenei, die Betreuungslehrer der Dauner Schülerzeitung "Der Klecks". Dem Trierischen Volksfreund haben die beiden Pädagogen ihr Erfolgsrezept verraten.

Daun. (cofi) Seit mehr als 40 Jahren gibt es die Schülerzeitung "Der Klecks" des Thomas-Morus-Gymnasiums Daun. Seit der Gründung 1966 arbeiten die Schüler engagiert an jeder neuen Ausgabe und erreichen beste Plätze bei Schülerzeitungswettbewerben. Was eine Schülerzeitung erfolgreich macht, darüber sprach TV-Mitarbeiterin Cordula Fischer mit den betreuenden Lehrern Reinhold Hachgenei und Ralf Säuberlich.

Ist eine Schülerzeitung ein Informationsblatt über das Schulleben, oder ist sie mehr?

Ralf Säuberlich: Eine Schülerzeitung wie unsere ist ein gutes Stück mehr. Über das Schulgeschehen wird zwar auch berichtet, aber für bloße Schulinformationen gibt es ein extra Organ. Eine Schülerzeitung ist eine pädagogische Gesamtveranstaltung.

Was sind dann Themen, über die in der Schülerzeitung berichtet wird?

Ralf Säuberlich: Die Themen reichen von Politik über Kultur, Sport und Buchbesprechungen bis Unterhaltung, alles, was die Schüler einbringen wollen. Es gibt immer bunt gemischte Ausgaben. Es wäre schwierig, wenn wir da feste Vorgaben machen würden.

Wie sind die Arbeitsabläufe, wenn eine neue Ausgabe entsteht?

Reinhold Hachgenei: In einem ersten Treffen werden Ideen gesammelt, die Chefredakteure werden initiativ, Themen werden festgelegt. Dann gibt es ein internes Seminar über drei Tage - bis zu diesem Zeitpunkt sollten die Artikel fertig sein. Während des Seminars wird an den Texten gefeilt. Richtig intensive Arbeit gibt es dann noch einmal an fünf bis sechs Wochenenden, bis alles fertig und auf CD gebrannt ist, auf die die Druckerei schon wartet. Das ist eine große Energieleistung, aber auch ein gutes Gefühl danach, wenn wir den Termin eingehalten haben.

Wie sind die Aufgaben verteilt? Oder macht jeder alles?

Ralf Säuberlich: Es gibt Chefredakteure, das sind ältere Schüler, die auch schreiben, korrigieren und organisieren. Es gibt Techniker, die über spezielles Fachwissen verfügen, wir haben Zeichner und einen Kassenwart. Das ist ein älterer Schüler.

Was ist die Motivation für Schüler, Klecks-Redakteur zu sein? Wer kann mitmachen?

Ralf Säuberlich: Jeder, der mitmachen will, kann kommen. Es sind hauptsächlich Schüler der Klassen sieben bis 13, frühestens kann man sich ab Klasse sechs beteiligen. Wer zwei Mal dabei war, wird offiziell ins Team aufgenommen.

Reinhold Hachgenei: Die Motivation ist für die Schüler unterschiedlich: manche wollen schreiben, andere haben Freunde beim Klecks, und für andere zählt das Gefühl, sich weiterentwickeln zu können.

Welche Rolle spielen Sie als Betreuungslehrer?

Reinhold Hachgenei: Natürlich muss die Aufsicht gewährleistet sein. Wir korrigieren auch Artikel, aber schreiben sie nicht um. In Redaktionssitzungen sind wir ein Mitglied.

Ralf Säuberlich: Als Lehrer sollte man sich weitgehend zurücknehmen, die Schüler arbeiten lassen, ihnen die Chance bieten, sich frei zu entwickeln und Anregungen geben, ohne dass man sie einengt.

Reinhold Hachgenei: Wir halten es wie im Fußball bei der Nationalmannschaft nach dem Ausfall von Michael Ballack mit einer flachen Hierarchie. Aber es braucht ein Kontinuum bei der natürlichen Fluktuation von Schülergenerationen und einen Unterbau und Unterstützung bei der Finanzierung.

Wie finanziert sich denn der Klecks?

Ralf Säuberlich: Wir benötigen einen Etat von 8000 bis 10000 Euro pro Jahr. Den größten Teil für die Druckkosten. Dafür gehen die Schüler und wir auf Werbeakquise. Wir klappern die Dauner Geschäfte ab, haben auch Dauerwerbekunden und nehmen Geld durch den Verkauf ein. Aber das ist mittlerweile schwieriger geworden, und das sind auch hauptsächlich die Schwierigkeiten, mit denen wir konfrontiert sind. Große Gewinne können wir nicht einfahren.

Keine großen Gewinne und viel Arbeit - welchen Wert hat das alles?

Ralf Säuberlich: Für die Schule ist es sicher die Außenwirkung und das Renommee, das wir durch die erfolgreiche Teilnahme an Wettbewerben erlangen.

Reinhold Hachgenei: Für uns ist es eine schöne pädagogische Erfahrung, Schüler, die man aus dem Unterricht kennt, mit anderen Fähigkeiten zu erleben. Und die Schüler lernen weitgehend selbstständiges Arbeiten, Verantwortung zu übernehmen, zu organisieren, sich um jüngere Schüler zu kümmern und erleben ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das auch noch ehemalige Kleckser empfinden. Auch wenn viel Freizeit investiert werden muss - die Haben-Seite ist am Ende größer als die Geben-Seite.

Der Klecks erscheint zwei Mal pro Jahr, die aktuelle Ausgabe ist im Druck - können Sie schon etwas über das Titelthema verraten?

Ralf Säuberlich: Es gibt wieder eine bunte Mischung, Aktuelles über das Eifel-Literatur-Festival und einige Schulinterna. Mehr wird aber vorher nicht verraten.

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