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Fleck auf der Weste des Saubermanns

Fleck auf der Weste des Saubermanns

François Fillon soll seiner Frau Penelope mit einer Scheinbeschäftigung im Parlament 500 000 Euro zugeschanzt haben. "Penelopegate" könnte den Favoriten für die Präsidentschaftswahl schwer belasten.

Paris. Von Penelope Fillon gibt es nicht viele private Fotos. Das wohl bekannteste zeigt die grauhaarige 60-Jährige zusammen mit ihrem Mann und den fünf Kindern vor ihrem Schlösschen in Solesmes im Westen Frankreichs. Mit dem Strohhut auf dem Kopf ist die gebürtige Waliserin das Abbild einer "Landfrau", wie sie sich selbst einmal nannte: Häuslich, bodenständig, mütterlich. Sie und François Fillon, der konservative Favorit für die Präsidentschaftswahl im Frühjahr, beide bekennende Katholiken, bildeten bisher ein biederes Paar, das kein Skandal erschütterte - bis Mittwoch, dieser Woche.
Da enthüllte das Satireblatt Canard Enchaîné, dass Madame Fillon acht Jahre lang als parlamentarische Assistentin ihres Mannes und seines Stellvertreters beschäftigt war und dafür insgesamt rund 500 000 Euro bekam. Dazu zitierte die Zeitung eine Kollegin im selben Parlamentsbüro, die versicherte: "Ich habe nie mit ihr gearbeitet." Mit anderen Worten: Fillon könnte seiner Frau auf Kosten des Steuerzahlers eine Scheinbeschäftigung verschafft haben. Noch am Mittwoch begann deshalb die Finanzstaatsanwaltschaft mit Vorermittlungen wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder.
Der Parlamentsjob war nicht die einzige gut bezahlte Nebenbeschäftigung der diskreten "Penny", die in einem Interview 2016 gesagt hatte: "Bisher habe ich mich nicht am politischen Leben meines Mannes beteiligt". Die Stadträtin von Solesmes, die in der Öffentlichkeit nur als Hausfrau und Mutter wahrgenommen wurde, war auch Literaturberaterin der Zeitschrift La Revue des deux mondes von Fillon-Freund Marc Ladreit de Lacharrière. Zwei kurze Buchbesprechungen erschienen in eineinhalb Jahren von ihr unter Pseudonym - für ein Monatsgehalt von 5000 Euro.
Fillon, der mit dem Image des Saubermanns gegen Ex-Präsident Nicolas Sarkozy angetreten war, treffen die Enthüllungen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach seinem fulminanten Sieg bei den Vorwahlen im November war der Kandidat weitgehend von der Bildfläche verschwunden, was sich auch in den Umfragen negativ auswirkte. Mit einem Besuch in Berlin am Montag und einer Wahlkampfveranstaltung am Sonntag wollte der Ex-Regierungschef diese Woche wieder Schwung nehmen.
Statt dessen musste der 62-Jährige sich wegen "Penelopegate" rechtfertigen, wie die Affäre um seine Frau schon genannt wird. "Die Phase der Stinkbomben ist eröffnet", kommentierte er den Zeitungsbericht, den er als "verächtlich" und "frauenfeindlich" bezeichnete. "Ich werde für den Triumph der Wahrheit und die Verteidigung meiner Ehre kämpfen", kündigte der Kandidat an und ließ der Staatsanwaltschaft erste Dokumente über eine Arbeit seiner Frau zukommen.
Rein juristisch ist die Beschäftigung von Ehepartnern im Parlament erlaubt. Mehr als zehn Prozent der Abgeordneten stellen einen Angehörigen ein, darunter der sozialistische Parlamentspräsident Claude Bartolone und der Parlamentarier des Front National (FN), Gilbert Collard. Der FN hält sich in der Affäre Fillon auffällig zurück, obwohl der Kandidat mit seinen wertkonservativen Vorstellungen der Partei von Marine Le Pen Stimmen wegzunehmen droht. Der Grund: Der FN ist selbst wegen der Scheinbeschäftigung von Assistenten im Europaparlament im Visier. Die Rechtspopulisten ließen die Straßburger Vertretung für Mitarbeiter zahlen, die hauptsächlich für den FN beschäftigt waren, und müssen deshalb mehr als eine Million Euro zurückzahlen.
"Man kann Frankreich nicht führen, wenn man nicht untadelig ist", hatte Fillon im Vorwahlkampf seinem gleich mit mehreren Affären belasteten Konkurrenten Sarkozy mit auf den Weg gegeben. Ein Satz, der ihm nun selbst anhängt.