Flexibilität im Kopf

Eigentlich verrückt: Da predigen seit Jahren alle, die es wissen müssen, die Bedeutung von französischen Sprachkenntnissen. Und nicht nur das: Wir reden über Großregion, sind längst mobil zwischen Metz und Luxemburg, nutzen Einkaufs- und Kulturangebote, arbeiten jenseits der Grenze – nur verstehen können wir uns nicht.

Eigentlich verrückt: Da predigen seit Jahren alle, die es wissen müssen, die Bedeutung von französischen Sprachkenntnissen. Und nicht nur das: Wir reden über Großregion, sind längst mobil zwischen Metz und Luxemburg, nutzen Einkaufs- und Kulturangebote, arbeiten jenseits der Grenze - nur verstehen können wir uns nicht.Sicher muss strukturell einiges passieren, müssen Angebote verbessert und verstetigt werden, sollten Land und Kommunen die Vermittlung von Französischkenntnissen nicht nur verbal, sondern auch praktisch ganz oben auf die Prioritätenliste setzen. Aber das wird alles nichts nützen, wenn die Menschen der Region im Kopf nicht flexibler werden. Englisch, die Weltsprache, wird bevorzugt. Dabei lernt man Englisch ohnehin fast nebenbei, angesichts der Sprachglobalisierung an Computer- und Fernsehschirmen.

Doch es werden auch in Zukunft mehr Leute aus der Region in Luxemburg, Esch und Ettelbrück arbeiten als in London, New York und Tokio. Und wenn die Region zu einem kraftvollen Wirtschaftsfaktor zusammenwachsen will, wird man sich verstehen müssen. Die Luxemburger sprechen doch auch flächendeckend drei Sprachen (viele sogar vier). Das kann nicht daran liegen, dass Ländchen-Bewohner qua Geburt sprachbegabter sind als der durchschnittliche Eifeler oder Moselaner.

Man kann viel jammern über Randlage, ländlichen Raum, Strukturschwäche und miese Verkehrsverbindungen. Oft zu Recht. Aber man kann auch etwas tun für die Zukunft. Seine Kinder zum Französisch-Unterricht anmelden, wenn die Alternative existiert, wäre ein Schritt. Auch wenn er vielleicht etwas unbequemer und (nur) auf den ersten Blick risikoreicher erscheint.

Es lohnt sich. Nicht nur wegen besserer Job-Perspektiven. Sondern auch, weil es ein schönes Gefühl ist, auf dem Marktplatz in Metz oder Luxemburg-Stadt eine Bestellung aufgeben zu können, ohne herumzustammeln, als käme man von einem anderen Kontinent - wo man doch um die Ecke zu Hause ist.

d.lintz@volksfreund.de

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