Frankreich schockiert seine Raucher

Frankreich schockiert seine Raucher

Frankreich will 2016 als zweites Land nach Australien die Einheitsverpackung mit Warnfotos für Zigaretten einführen. Die Schachteln sollen so an Attraktivität verlieren - vor allem für Jugendliche.

Eine durch einen Tumor entstellte Zunge oder ein erblindetes Auge: nur noch solche Fotos sollen ab 2016 auf Zigarettenschachteln in Frankreich zu sehen sein. Denn als zweites Land weltweit hat die französische Regierung angekündigt, neutrale Einheitsverpackungen einzuführen. Also kein Kamel mehr auf der Camel-Packung. Stattdessen gleiche Größe, Form, Farbe und Schrift - begleitet von drastischen Warnfotos vor den Folgen des Rauchens. Klein und ohne Logo soll der Name des Produktes erscheinen, das der Raucher sich kauft.
"Ich akzeptiere nicht, dass jedes Jahr 73 000 Menschen durch Tabakkonsum sterben", begründete die französische Gesundheitsministerin Marisol Touraine am Mittwoch im Radio ihre Maßnahme, die noch vom Parlament verabschiedet werden muss. Sie will Anfang 2016 nicht nur die Einheitspackung einführen, sondern auch das Rauchen mit Kindern im Auto oder auf Spielplätzen verbieten.
13 Millionen Franzosen rauchen, etwa 28 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Gerade Frauen und Jugendliche greifen oft zur Zigarette, und die beiden Gruppen sind auch besonders anfällig für attraktive Verpackungen, wie das Komitee gegen den Tabakkonsum (CNCT) anmerkt. Immerhin 40 Prozent der 16- bis 25-Jährigen rauchen in Frankreich regelmäßig. "Die Packung wird von einem regelmäßigen Raucher, aber auch von seiner Umgebung 7000 Mal im Jahr angeschaut", rechnet die Anti-Raucher-Organisation vor. Gerade Kinder können so schon früh dazu verleitet werden, ebenfalls zur Zigarette zu greifen. Als erstes Land weltweit hatte Australien im Dezember 2012 die Einheitspackung eingeführt. Olivgrün mit Schockfotos vornedrauf werden Zigaretten seither dort verkauft. Klagen von Zigarettenherstellern wie Philip Morris scheiterten vor dem Obersten Gericht. Doch das hindert die Unternehmen nicht daran, auch Frankreich mit milliardenschweren Schadenersatzklagen zu drohen. In Australien ging der Anteil der Raucher von 15,1 Prozent 2010 auf 12,8 Prozent 2013 zurück. Allerdings ist dafür wohl nicht nur die Einheitsverpackung verantwortlich, sondern auch der hohe Preis. Auch in Frankreich sinkt der Zigarettenverkauf, weil die Schachtel inzwischen durchschnittlich gut sieben Euro kostet. Außerdem gibt es mehr als eine Million Raucher, die auf die E-Zigarette umgeschwenkt sind.

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