Freie Fahrt für besseren ÖPNV

Freie Fahrt für besseren ÖPNV

TRIER. Erstaunliche, grenzüberschreitende Einigkeit in der Sache, aber auch Zweifel, was sich von den gemeinsamen Zielen tatsächlich umsetzen lässt: Zwischen diesen Polen bewegte sich die Verkehrskonferenz der Großregion Saar-Lor-Lux in Trier. Die Resonanz übertraf bei Weitem die Erwartungen.

Da strahlten die Gesichter der Hauptgeschäftsführer von HWK und IHK und die ihrer Mitstreiter vom Wirtschafts- und Sozialausschuss der Großregion: Selbst das großzügig dimensionierte Tagungszentrum der IHK reichte kaum aus, um die Phalanx an Ministern und Präsidenten, Abgeordneten und Experten, Landräten und Bürgermeistern aufzunehmen, die über die Zukunft der Verkehrsverbindungen in Saar-Lor-Lux diskutieren wollten. Ob es daran lag, dass die Tragweite des Themas erkannt wurde, oder dar-an, dass man eine Einladung solch gewichtiger Gastgeber ungern ablehnt: Es konnte dahingestellt bleiben. Denn von Anfang an ging es erstaunlich konkret und handfest zu. Dazu trug bei, dass der übliche Forderungs-Sermon für Verkehrsbauprojekte in der Region weitgehend außen vor blieb. Stattdessen überraschte HWK-Hauptgeschäftsführer Hans-Hermann Kocks mit einem detaillierten, mit konkreten Zeitvorgaben versehenen Vorschlag zur Verbesserung des grenzüberschreitenden ÖPNV.Nicht nur wolkige Allgemeinplätze

Das öffentliche Verkehrsangebot habe "wesentlichen Einfluss auf berufliche und private Mobilität von Bürgern und Unternehmen", stellte Kocks fest. Das Fahren mit Bus und Bahn fördere zudem "das Zusammenwachsen" und erhalte aufgrund der Benzinkosten-Entwicklung "ständig höhere Bedeutung" - Erkenntnisse, wie sie noch vor wenigen Jahren allenfalls Öko-Freaks und grünen Spinnern zugeordnet worden wären. Aber Kocks beließ es nicht bei wolkigen Allgemeinplätzen. Er stellte einen konkreten Zeitplan vor, wie in einzelnen Schritten bis zum Januar 2010 über neue Fahrplan-Informationssysteme, besser abgestimmte Angebote und einheitliche Tarife ein Verkehrsverbund für die Großregion entstehen könnte (der TV berichtete). Da mussten die vier zuständigen Minister von Rheinland-Pfalz, Saarland, Luxemburg und Ostbelgien ihre Routine-Ansprachen über Autobahn-Anschlüsse und Umgehungsstraßen kurzfristig aktualisieren - der Zug fuhr in eine andere Richtung. Gefragt war vor allem der neue rheinland-pfälzische Verkehrsminister Hendrik Hering, der sich an seinem allerersten Arbeitstag offensichtlich auf eine weitere Debattenrunde über West- und Nordumfahrungen, Hochmoselübergänge und vierspurige Bundesstraßen eingestellt hatte. Stattdessen zeigte er sich positiv überrascht über die von Kocks skizzierten "sehr ambitionierten Ziele", die die Landesregierung "im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterstützen" werde. Hering nutzte, sichtlich beeindruckt von der "großen Resonanz und dem beachtlichen Niveau dieser Konferenz", die Gelegenheit, sich mit seinen - gleichfalls Wohlwollen signalisierenden - Ministerkollegen zu einer weiteren Beratung des Themas zu verabreden. Die Minister wollen am Thema bleiben

Reine Freundlichkeiten dürften dabei allerdings kaum ausgetauscht werden. Der luxemburgische Transportminister Lucien Lux ließ keinen Zweifel daran, dass er enttäuscht ist von den deutschen "Anstrengungen" in Sachen Ertüchtigung der Bahnverbindung Koblenz-Trier-Luxemburg. Man habe auf Luxemburger Seite stolze 30 Millionen Euro investiert, der deutsche Part bleibe "leider sehr hinter unseren Erwartungen zurück" - trotz Kontakten zu den Ministern Stolpe und Tiefensee. Was die Minister Georgi (Saarland) und Gentges (Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens) an neuen Aktivitäten in Sachen ÖPNV präsentierten, war geeignet, bei den Trierer Gastgebern Neid zu erzeugen. Futuristische Euro-Bahnhöfe in Saarbrücken und Lüttich, neue Tarifverbünde, verbesserte Anschluss-Systeme: Die TGV-Euphorie macht's möglich. In vier Arbeitsgruppen beriet die Konferenz über Details der einzelnen Verkehrsbereiche. Spannendste AG aus Sicht der Region Trier: der Bereich "Straße". Da zeichnete sich eine interessante Konstellation ab: Die Nordumfahrung Triers, auch als "Meulenwald-Autobahn" bekannt, erschien in der abgestimmten Prioritäten-Liste an hervorgehobener Stelle, in einem Paket mit den regionalen-Premium-Projekten Lückenschluss A 1 und Hochmoselübergang. Der Moselaufstieg bei Igel fand sich hingegen als Einzelmaßnahme deutlich weiter hinten auf der Liste. Politisch verbindlich sind solche Ergebnisse freilich nicht. Ob die Konferenz nachhaltige Wirkung erzielt, konnte am Ende niemand sagen. Die Einschätzung von IHK-Hauptgeschäftsführer Rössel, man habe "erlebnisreich, konstruktiv und dynamisch" konferiert, fand aber breite Zustimmung.