Frost und Pilz machen Getreide zu schaffen

Frost und Pilz machen Getreide zu schaffen

Zu kalt und trocken im Februar, zu nass im Frühsommer: Das Wetter hat vielen Getreidebauern in der Region in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung gemacht. Weil Unkraut und Schimmelpilze die Körner schädigen, rechnen Landwirte zum Teil mit starken Ernteausfällen.

Trier/Eifel/Mosel. Mit sorgenvoller Miene betrachtet Gerhard Portz die Weizenkörner auf seiner Handfläche. Mit seiner Ernte ist der Landwirt aus Bekond ganz und gar nicht zufrieden. "Die Ähren sehen auf den ersten Blick gut aus", sagt Portz. Doch beim Ausreiben der Körner zeige sich: "Viele sind klein und eingetrocknet, zum Mahlen nicht geeignet."
Für 2012 rechnet der Landwirt, der 90 Hektar Anbaufläche bewirtschaftet, mit einem Ernteausfall von "bis zu 30 Prozent". Der Grund: Ein Schimmelpilz mit Namen Fusarium (siehe Extra) hat seinen Weizen befallen.
Für das starke Auftreten des Schädlings macht Portz den anhaltenden Regen im Juni und Juli verantwortlich: "Es war einfach viel zu nass."
Seine verkümmerten Körner wird Portz zu 90 Prozent als Futtergetreide verkaufen müssen, weil sie keine Backqualität haben.
Auch bei Gerhard Eiden in Hermeskeil sehen die Bestände "optisch besser aus, als die Frucht tatsächlich ist". Schuld sei der "sehr nasse Frühsommer", vermutet Eiden. Dieser habe auch die Verbreitung von Pilzkrankheiten wie Fusarien gefördert. Um sie "in Schach zu halten", sei dieses Jahr ein "massiver Fungizideinsatz" nötig gewesen. Seine Bestände seien aber halbwegs gesund. Eine Bilanz will Eiden noch nicht ziehen - im Hochwald läuft die Getreideernte erst an.
15 Prozent weniger Ertrag als 2011 befürchtet Johann Hilsamer, der in Kenn Winterweizen, -gerste, Raps und Roggen anbaut. Probleme mit Fusarien habe er weniger, sagt er. Aber: Der starke Frost noch bis in den April hinein habe seinen Pflanzen geschadet. Der Boden sei aufgebrochen, der Planzenschutzfilm darauf zerstört worden, Unkraut vermehrt durchgewachsen. Dieses Problem, bekannt als Auswinterung, werde ihn etwa 15 Prozent der erwarteten Ernte kosten. Die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz rechnet 2012 wegen des strengen Frosts im Februar und der Trockenheit bis April landesweit mit einem "durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Ertrag". Damit rage die Ernte insgesamt "weder positiv noch negativ heraus". In den einzelnen Regionen könnten die Verluste - auch je nach Getreideart - jedoch unterschiedlich hoch sein. Ausfälle von 30 Prozent seien lokal "gut möglich". Vom Frost betroffen seien vor allem Winterweizen, -gerste und Raps. Pilzkrankheiten wie Fusarien seien "kein generelles Problem". Dies trifft jedoch nur auf Betriebe zu, die auf den richtigen Pflanzenschutz geachtet haben. "Wer da gespart oder die Spritzintervalle nicht eingehalten hat, der hat bis zu 30 Prozent Ausfall", schätzt Klaus Schackmann, Pflanzenschutzberater beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel. Wegen des vielen Regens im Frühsommer gebe es in der Region "deutlich mehr Fusarien als sonst" - speziell dort, wo vor dem Weizen Mais auf dem Feld stand. Ernteeinbußen seien aber lokal sehr unterschiedlich. Auch würden die Pilze bisher keine gefährlichen Toxine bilden (siehe Extra). Bei Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg, sind bereits einige Klagen über Ernteausfälle eingegangen: "Einige werden nur 70 Prozent des normalen Ertrags haben." Wegen des stärkeren Pilzbefalls habe mehr gespritzt werden müssen. Zudem sei der Anteil kleiner Körner höher als gewohnt.Extra

Fusarien sind eine Schimmelpilzgattung, die Getreide und Lebensmittel befällt. Es gibt viele Arten, manche töten die Wirtspflanze, einige bilden sogar für den Menschen gesundheitsschädliche Gifte (Mykotoxine). Fusarien zählen zu den wichtigsten Schadpilzen bei Getreide und Mais, führen zu Ertragseinbußen, Qualitätsverlusten und mindern die Keimfähigkeit des Saatguts. In Nordamerika betrug Ende der 1990er Jahre der durch sie verursachte jährliche Verlust bei Weizen und Gerste eine Milliarde US-Dollar. Für Europa gibt es bisher keine Zahlen. Fusarien müssen mit einem speziellen Pflanzenschutzmittel bekämpft werden - was nur in der Blütezeit (bei Winterweizen Anfang Juni) möglich ist. cwebExtra

... Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen (VDM). Wie wird die Getreideernte 2012 ausfallen? Peter Haarbeck: Wir werden dieses Jahr in Deutschland, aber auch weltweit, eine knappe Ernte haben - deutlich unter dem langjährigen Mittel. Große Auswirkungen hat etwa die Jahrhundertdürre in den USA. Wegen der knappen Weltbilanz steigen die Preise an großen Getreidebörsen wie in Paris und auch an den heimischen Börsen. Wie entwickeln sich die Preise derzeit? Haarbeck: Die Getreidepreise in Deutschland liegen momentan auf Rekordniveau. Die Produktenbörsen notieren derzeit im Schnitt 250 Euro je Tonne für einfachen Mahlweizen. Für Qualitätsweizen werden bis zu 285 Euro je Tonne bezahlt. So viel musste in den letzten 25 Jahren zur Erntezeit im Juli und August noch nie bezahlt werden. Wie sieht es mit der Getreidequalität in diesem Jahr aus? Haarbeck: Die Qualität ist deutschlandweit gut. Witterungsbedingt sind Schimmelpilze wie Fusarien punktuell öfter aufgetreten als sonst. Das hängt vom lokalen Klima ab. In einzelnen Regionen ist es durchaus möglich, dass dort die Qualität der Körner nicht zum Mahlen ausreicht. Die Mühlen kontrollieren die Qualität des angebotenen Getreides sehr intensiv. So stellen sie sicher, dass auch in schwierigen Jahren nur gesunde Partien eingelagert und später vermahlen werden. Der Verband vertritt die Interessen der Mühlen, die im Bundesgebiet pro Jahr etwa rund acht Millionen Tonnen Brotgetreide (Weizen und Roggen ) vermahlen. Aktuell gibt es in Deutschland rund 550 Mühlen mit etwa 6000 Beschäftigten. Sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von knapp 2,5 Milliarden Euro. Die Fragen stellte Christa Weber.