fünf fragen an ...

Carsten Müller-Meine, Geschäftsführer der Ehrenamtsagentur Trier TV-Foto: Archiv/ Rainer Neubert Welche Erfahrungen machen Sie in der Ehrenamtsagentur? Interessieren sich junge Menschen fürs Ehrenamt? Carsten Müller-Meine: Ja, das tun sie. Die größte Gruppe derer, die bei uns anfragen, weil sie eine ehrenamtliche Tätigkeit übernehmen wollen, ist die der 20- bis 29-Jährigen.

Danach folgen auch gleich die 30- bis 39-Jährigen. Wir hatten im vorigen Jahr auch einige Anfragen von unter 20-Jährigen. Allerdings gibt es da oft das Problem, dass viele der Einrichtungen die Grenze ab 18 Jahre setzen. Das hängt zum Beispiel mit versicherungsrechtlichen Dingen oder der Aufsichtspflicht zusammen. Es gibt aber auch einige Tätigkeiten für unter 18-Jährige - zum Beispiel im Sport, bei den Messdienern und Pfadfindern oder im Jugendparlament. Es ist also bei der Generation Y nicht out, sich in die Gesellschaft einzubringen? Müller-Meine: Nein, überhaupt nicht. Es ist nur out, sich in verkrusteten Strukturen zu engagieren. Man darf nicht denken, dass man die jungen Menschen für die nächsten fünf bis zehn Jahre binden oder ihnen gleich einen Mitgliedsantrag unter die Nase halten kann - das funktioniert nicht. Die Jugendlichen können und wollen etwas tun, aber in einem überschaubaren Rahmen im Sinne von: in den Ferien, gelegentlich am Wochenende oder auch ab und an mal eine Einmalaktion. Es ist wichtig, dass die jungen Menschen dort, wo sie etwas tun, anerkannt und respektiert werden. Und dass man ihnen das Vertrauen schenkt, dass sie diese Aufgaben auch hinbekommen. Welche Bereiche oder Einrichtungen sind denn bei jüngeren Menschen besonders gefragt? Müller-Meine: Der soziale Bereich oder auch der schulische, wie zum Beispiel bei Kindern mit Migrationshintergrund und Lernschwierigkeiten, nehmen den größten Raum ein. Im Moment sind Flüchtlinge auch ein großes Thema. Da gibt es durch alle Altersgruppen hinweg eine große Bereitschaft zu helfen. Auch Besuchsdienste im Altenheim sind gefragt, gerade auch bei Studenten, die sagen: Meine Oma wohnt weit weg, und ich hätte hier gerne jetzt eine Ersatz-Oma. Welche Eigenschaften sollte jemand mitbringen, der ein Ehrenamt übernehmen will? Müller-Meine: Er sollte offen sein für Neues und einfach Lust und Freude daran haben, sich einzubringen. Hinzu kommen gesunder Menschenverstand und eine gewisse Empathiefähigkeit. Und was kann man fürs Leben lernen, wenn man ein Ehrenamt übernimmt? Müller-Meine: Man lernt neue Lebenswelten kennen und hat die Chance, etwas Neues auszuprobieren und sich als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Zu sehen, dass sie auch mit einem kleinen Beitrag ganz viel erreichen und bewegen können, ist für viele ein ganz tolles Gefühl. Als junger Mensch ist das eine Riesenchance, etwas abseits von dem zu tun, was er sonst macht. Es geht darum zu sagen: Ich entwickle mich weiter und öffne meinen Geist, um zu schauen: Was gibt\'s denn noch so auf der Welt? bec