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Fünf Redakteure über ihre liebsten Weihnachtsfilme

Fünf Redakteure über ihre liebsten Weihnachtsfilme

Sie rühren uns zu Tränen, bringen uns zum Lachen oder lassen uns einfach mal vom stressigen Alltag abschalten: Beliebte Weihnachtsfilme wie „Disney’s Eine Weihnachtsgeschichte“, „Kevin allein zu Haus", „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel“ und „Die Geister, die ich rief“ gehören für viele Menschen zum Fest einfach dazu.

Zeitloses Märchen

Lieblingsfilm von
Ariane Arndt-Jakobs

Auf George Bailey kann man sich stets verlassen. Selbstlos setzt er sich für andere ein, stellt seine eigenen Wünsche hintan, kämpft auch in schwierigen Zeiten unermüdlich für die Menschen der amerikanischen Kleinstadt Bedford Falls. Doch ausgerechnet am Weihnachtsabend verliert George seinen Lebensmut und wünscht sich, nie geboren worden zu sein. In so einer Situation braucht es schon einen Schutzengel wie Clarence, um zu helfen …
Die bewegende Lebensgeschichte von George, gespielt vom charmanten James Stewart, erzählt der 1946 erschienene Film "Ist das Leben nicht schön?". Regisseur Frank Capra nutzt die gesamte Klaviatur an Emotionen: Der Film ist traurig, amüsant und romantisch, es gibt Momente des Glücks und der Liebe und solche tiefster Verzweiflung. Es ist ein zeitloses Märchen über das Gute im Menschen, über echte Freundschaft und darüber, dass wahrer Reichtum nicht am Geld zu bemessen ist, bei dem es einem nicht nur zur Weihnachtszeit ganz warm ums Herz wird. Im Fernsehen läuft der Klassiker gleich mehrfach, zum Beispiel heute Nacht um 2.20 Uhr in der ARD, am 25. um 8.05 Uhr (HR) und 21.45 Uhr (3sat). Ariane Arndt-Jakobs

Magische Momente, wohltuende Wiederholung - Warum wir an Weihnachten immer dieselben Filme anschauen

Einfach nur schön!

Lieblingsfilm von
Christa Weber

Weihnachten ohne "Der kleine Lord" - das wäre wie Heiligabend ohne Geschenke. Undenkbar. Zugegeben, die Dosis "heile Welt" in der Geschichte über den kleinen blonden Jungen aus dem Armenviertel, der über Nacht zum Adligen wird und seinen griesgrämigen Großvater zum Menschenfreund bekehrt, ist schon ziemlich hoch. Manche mögen das kitschig finden. Ich finde es einfach nur unglaublich schön, charmant und liebenswert!
Es gibt so viele Szenen, die einem ans Herz gehen, allen voran die, in der der "kleine Lord" dem Jungen mit dem lahmen Bein sein Pony überlässt. Der Film hat aber noch mehr zu bieten: Da sind der feine Humor, die witzigen Dialoge und die liebevollen Details, die einen zum Schmunzeln bringen. Da sind die erstklassigen Schauspieler, allen voran der herrlich herablassende Sir Alec Guiness, die bis in die kleinste Nebenrolle überzeugen - vom Aristokraten hassenden Gemischtwarenhändler bis zum augenrollenden Diener. Und da ist die Musik, die man sofort im Ohr hat und lange nicht mehr los wird. Dieser Film hat einfach Seele. Übrigens: Wer ihn am vierten Advent verpasst hat, hat heute noch eine Chance (ARD, 10.15 Uhr). Christa Weber

Der Film hat alles

Lieblingsfilm von
Jörg Pistorius

Übelster Kapitalismus, eisige soziale Kälte, skrupellose Superreiche, ein Gauner mit großer Schnauze, eine Prostituierte mit großem Herzen - und, nicht zu vergessen, ein Gorilla und gefrorener Orangensaft. Ein Film, der all das enthält und auch noch an Weihnachten spielt, muss zum Kultklassiker werden.
"Die Glücksritter" (1983) von Regisseur John Landis erzählt in bitterböser und gleichzeitig herzerwärmend komischer Weise, wie Louis Win-thorp III (Dan Aykroyd) und Billy Ray Valentine (Eddie Murphy) in den konsumanbetenden 80ern die Warenterminbörse manipulieren und damit die Dagobert-Duck-Varianten Randolph und Mortimer Duke, herrlich gespielt von Ralph Bellamy und Don Ameche, in den Ruin treiben.
Der Film hat einfach alles. Eddy Murphy als Ein-Mann-Show ("Sie wollen kaufen?"), Dan Aykroyd als blasierter Snob ("Sieh mal an. Schweinebäuche"), Jamie Lee Curtis als Straßenmädchen mit schöner Seele ("Ich nehm' aber keine Kreditkarten") und ein wahnsinniger Showdown an der Wall Street. Und an Weihnachten ist es doch besonders schön, wenn die bösen reichen alten Männer am Ende unter der Brücke landen.$Jörg Pistorius

Weihnachtskult!

Lieblingsfilm von
Mandy Radics

Was "Dinner for One" für Silvester ist, das ist der Märchenfilm "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" (3HfA) für Weihnachten - ein echter Kultfilm eben. 3HfA ist seit mehr als 40 Jahren der wohl meist gezeigte Weihnachtsfilm im deutschen Fernsehen. 2015 wird er insgesamt 23 Mal ausgestrahlt. Die Musik ist ein Ohrwurm: Lalalalalalalalalala … Einmal gehört, geht der Titelsong nie mehr aus dem Kopf.
Dazu hat der Film Witz: Die Wortwahl des Prinzen, der Prinzessinnen auch mal als "unbekannte Miezen" bezeichnet, oder das gewaltige "Kleinröschen" im feuerroten Kleid, das den Prinzen zum Tanz wegträgt, löst herzliche Lachanfälle aus. Und in welchem Märchen ist die angehende Prinzessin schon eine unglaubliche Bogenschützin, die auf ihrem eigenen Pferd zum Ball reitet?
Das Aschenbrödel aus der tschechisch-ostdeutschen Produktion ist zwar arm wie eine Kirchenmaus und wird von Stiefmutter und -schwester unterdrückt, aber es hat Charakter. Es nimmt den Prinzen nicht, weil der es so will. Nein, es lässt ihn erst mal Rätsel lösen.
Selbstverständlich ist der Film auch ganz wunderbar romantisch - und das Gute siegt am Ende. Mandy Radics

Warme Worte

Lieblingsfilm von
Florian Schlecht

Die warmen Worte passen einfach in das Jahr 2015 mit seinen Krisen und Kriegen. "Es gibt Menschen, die hungern. Ihr könnt ein belegtes Brot machen und sagen, ach übrigens: hier!", fordert Schauspieler Bill Murray in "Die Geister, die ich rief …". Schon 1988 lief der Film in den Kinos. Doch seine Botschaft hat nichts von ihrer Bedeutung verloren. Der Film lehnt sich an die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens an, nur modern interpretiert. Murray spielt auf seine typisch-zynische Art den boshaften Fernsehboss Francis Cross, der für eine gute Einschaltquote über Leichen gehen würde, Mitarbeiter feuert und seine große Liebe für die Karriere opfert. Erst, als ihn drei Geister heimsuchen, entwickelt er Mitgefühl. Und will sein Leben schlagartig ändern.
Der Witz kommt dabei nicht zu kurz. Ein Geist packt den Fernseh-Widerling so hart an, dass die Dreharbeiten des Films wegen Hämatomen an Murrays Lippe tagelang unterbrochen werden mussten. Doch besonders soll der Film Mut machen, dass jeder seinen Teil zu einer besseren Welt beitragen kann. Schade, dass diese Erkenntnis oft nur an Weihnachten so gepriesen wird. Florian Schlecht