Für den Ernstfall trainieren

KONZ-HAMM. (DiL) Viele Hauptschulen sind längst dazu übergegangen, ihre Schüler gezielt auf den Berufseinstieg vorzubereiten. Zum Beispiel durch "Bewerber-Camps". Die Pestalozzi-Hauptschule Trier schult ihre Achtklässler im Jugendhaus Konz-Hamm.

"Kommunikation und Kooperation" - so heißt es offiziell. Für Schüler der Klassen 8 a und 8 b ist es eine Mischung aus Klassenfahrt, Schulung und Abenteuer-Urlaub. Zwei Tage sind sie hier, Übernachtung inklusive. Ein harter Job für die Lehrer. Abends ist ein bisschen Party erlaubt. Am Tag wird malocht. So sitzen sie in einer Runde: Phillipp, der Polizist werden will. Djelana, die schon mal ein Praktikum bei einem Arzt gemacht hat. Michele, der stolz ein Italien-Trikot trägt. Und zwölf weitere aus ihrer Klasse. "Man lernt sich ganz anders kennen", sagt Klassenlehrerin Sabine Wolf. Zum Kennenlernen trägt vor allem Kerstin Knopp bei, Sozialpädagogin beim "Palais e.V." in Trier. Sie bietet Seminare für Schüler an, nach detaillierter Absprache mit den Lehrern punktgenau auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klasse abgestimmt. Und sie ist froh, dass die Veranstaltung an einem "neutralen" Ort stattfindet: "In ihrer Schule haben die Schüler die Macht, hier fehlt der Heimvorteil."Wer kooperiert, schafft das höhere Türmchen

Die Übungen sind schülergerecht, könnten aber durchaus auch in vereinfachter Form einem Management-Seminar entlehnt sein. Mit unterschiedlich geformten Klötzchen sollen die Schüler einen Turm bauen. Der Lernprozess liegt auf der Hand: Wer in der Gruppe kooperiert und vorausschauend denkt, schafft das höhere Türmchen. Wer hingegen das dreieckige Dächlein gleich mit der spitzen Seite nach oben als Basis-Element aufstellt, kommt nicht allzu weit. Es geht spielerisch zu, zum Amüsement der Gruppe. Man darf sich als Marktschreier betätigen, den Fortgang von Geschichten raten, Lego-Modelle aus dem Gedächtnis rekonstruieren. Aber der Lernerfolg steht immer im Mittelpunkt - und der praktische Nutzen. Am einfachen Beispiel wird gezeigt, dass Kommunikation nicht nur über Worte funktioniert, dass Gesten, Mimik, Haltung, Kleidung auch eine Rolle spielen. Eine lebenswichtige Erkenntnis für Jungs und Mädels, die nächstes Jahr auf Lehrstellensuche gehen. Auch die direkte Situation des Vorstellungsgesprächs wird simuliert. Alles Neuland für die Schüler. Nervosität ist spürbar, zumindest bei manchen. Auch Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl werden trainiert. Alles hoch konzentriert. "Das ist ganz schön anstrengend", sagt Kerstin Knopp. Nicht nur für die Schüler. Auch für die Lehrer geht bei zwei Klassen inklusive Vor- und Nachbereitung die ganze Woche drauf. Damit der Unterricht der anderen nicht leidet, hat man das Seminar in den Zeitraum verlegt, in dem die Entlass-Klassen schon weg sind. Hauptsache, den Schülern hilft's weiter. Auch wenn der Erkenntnisgewinn manchmal etwas dauert. Zum Beispiel bei Sarah, die mit mächtigem Dekolletee in der Runde sitzt. Ein kleiner Wink der Lehrerin, und die Klamottenwahl wird dezenter. Schließlich, so hat man's gelernt, gehört Kleidung auch zur Kommunikation.

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