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Für Deutschlands Linke ist er ein Popstar

Für Deutschlands Linke ist er ein Popstar

Nach einem fast fünfstündigen Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montagabend hat Griechenlands neuer Regierungschef Alexis Tsipras gestern auch bei Politikern der Opposition um Verständnis und Unterstützung für seinen politischen Kurs geworben. Bei der Linkspartei rannte er damit offene Türen ein.

Berlin. Die Zahl der glühenden Anhänger von Alexis Tsipras dürfte sich in Deutschland eher in Grenzen halten. Im Rahmen seines 48-stündigen Antrittsbesuchs in Berlin traf der griechische Premier gestern Mittag zwei von ihnen zum vertraulichen Gespräch - Katja Kipping und Gregor Gysi. Die Parteivorsitzende und der Fraktionschef der Linken sind dem umstrittenen Mann aus Athen besonders eng verbunden - immerhin betrachten sich die deutsche Linke und Tsipras\' Syriza als Schwesterparteien.
Im Anschluss an die gut einstündige Unterredung in einem Berliner Nobelhotel sparte Gysi vor Journalisten nicht mit Solidaritätsbekundungen. Der neue Mann in Athen sei "ein Glücksfall für Europa", schwärmte er. Die eigentliche politische Auseinandersetzung bestehe darin, dass bis auf Griechenland sämtliche Euro-Staaten einen neoliberalen Kurs fortsetzen wollten. Soll heißen: Die Bösewichter sitzen überall, nur nicht in Athen. Auch sei es nicht so, dass Griechenland keine konkreten Reformvorschläge unterbreite, ergänzte Kipping. Wenn es in diesem Zusammenhang um mehr Steuergerechtigkeit und höhere Lasten für Reiche gehe, dann liege das offenbar nicht im Interesse der Geldgeber, meinte Kipping.
Dabei hatte die große Koalition in Berlin zuletzt immer wieder gefordert, Tsipras müsse die Reichen in Griechenland endlich stärker zur Kasse bitten. Entsprechende Maßnahmen sollen nun in einer Reformliste enthalten sein, die die griechische Regierung der Euro-Gruppe bis zum kommenden Montag übermitteln will. Ein solches Programm ist die Voraussetzung für weitere Finanzspritzen, ohne die Griechenland wohl schon in Kürze pleite wäre. Diesen Zusammenhang hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) dem griechischen Gast bereits am Dienstagmorgen noch einmal eindringlich klargemacht. Gut, dass sich die Tonlage zwischen Berlin und Athen verbessert habe, meinte Steinmeier nach dem Treffen. Dies sei aber noch nicht die Lösung für die finanzpolitischen Konflikte, die es gebe.
Auch zwischen Tsipras und dem linken Lager in Deutschland herrscht nicht nur eitel Sonnenschein. Dass der Grieche im Rahmen seiner Reformen eine Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre anpeilt, während die deutschen Genossen im eigenen Land derlei mit Abscheu und Empörung quittieren, ist dafür ein Paradebeispiel. "Über die Rente mit 67 haben wir nicht gesprochen", beschied Gysi knapp. Derweil reichte Kipping den Schwarzen Peter an die Europäische Union weiter. Es gebe einen enormen ökonomischen Druck auf die neue griechische Regierung. Einzelne Vorschläge wolle sie daher nicht bewerten, sagte Kipping zu unserer Zeitung. Auch die Tatsache, dass Tsipras zu Hause mit einer rechtspopulistischen Partei koaliert, bringt die deutsche Linke immer wieder in Erklärungsnot. Darüber sei nur "sehr kurz" mit Tsipras gesprochen worden, erklärte Gysi auf Nachfrage.
Am Dienstagnachmittag kam Tsipras noch mit den Vorsitzenden der Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir, zusammen. Zumindest für Peter dürfte der Neuigkeitswert nicht übermäßig groß gewesen sein. Sie hatte Tsipras schon vor knapp einem Monat während einer Stippvisite in Athen persönlich kennengelernt.Extra

Leise und laute Töne: Die versöhnlichen Worte des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras in Berlin nähren neue Hoffnungen auf eine gütliche Einigung im Schuldenstreit. Provokante Töne kamen dagegen erneut von Verteidigungsminister Panos Kammenos, dem Chef der rechtspopulistischen Partei Anel. Er will alle Korruptionsfälle im Rüstungssektor und bei anderen staatlichen Beschaffungen überprüfen lassen. Darin seien viele deutsche Unternehmen verwickelt. Die Deutschen sollten nun mitteilen, wer bestochen wurde, damit Griechenland das Geld zurückfordern könne, sagte er im Fernsehen — ohne konkret zu sagen, wen genau er meint. Die Anel-Partei ist in Griechenland Koalitionspartner des Linksbündnisses Syriza von Tsipras. dpa