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Für die Eisbären wird es langsam eng

Für die Eisbären wird es langsam eng

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die Klimakonferenz in Peru soll den Weg bereiten für den Weltklimavertrag. Es wird gerungen, wer wie stark den CO{-2}-Ausstoß senken muss, um die Erderwärmung etwas zu drosseln - die sich 2014 auch in der Region Trier deutlich bemerkbar macht.

Berlin/Trier. Ohne Schneekanonen könnte man Skisport derzeit in Deutschland vergessen. Im vergangenen Winter half im Wintersportgebiet am Erbeskopf und in anderen Skigebieten der Region nicht einmal das - selbst für Kunstschnee war es nicht kalt genug.
Im Lauf des Jahres 2014 war mit Ausnahme des Augusts bisher jeder Monat deutlich zu warm, so dass das Jahr in Deutschland das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden könnte.
Boten des Klimawandels? Deutschland hat zweifelsohne Luxusprobleme im Vergleich zu jenen Inselstaaten in der Südsee, die ihr Staatsgebiet durch Überflutung verlieren könnten.
Es zeigt sich, dass sich etwas verändert. Und zwar ziemlich schnell. Die Klimakarawane trifft sich nun in Perus Hauptstadt Lima, um zu verhandeln, wie der Trend noch zu stoppen ist.
Nur noch 900 Bären


Der Eisbär ist zum Symbol der Erderwärmung geworden. 2004 wurden noch 1500 Eisbären in Alaska und im Nordwesten Kanadas gezählt, zuletzt waren es nur noch 900 Exemplare. "Das sommerliche Packeis auf dem Meer ist seit Jahren auf dem Rückzug, und ohne Eis fehlt den Bären die Plattform zum Robbenjagen. Das macht das Überleben, insbesondere für Jungtiere, immer schwieriger", sagt Sybille Klenzendorf vom WWF-Arktisprogramm.
Bei der Klimakonferenz 2010 im mexikanischen Cancún war beschlossen worden, die Erderwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen, doch die bisherigen Maßnahmen reichen dafür sicher nicht. Die Klimakonferenz in Lima, wo vom 1. bis 12. Dezember 195 Staaten verhandeln, soll das Gerüst beschließen für den UN-Weltklimavertrag, der bei der Konferenz in Paris im Jahr darauf geschaffen werden soll. Bis hin zu Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war zuletzt neue Hoffnung geschöpft worden - vor allem weil die USA und China sich ein ganz klein wenig bewegen.
US-Präsident Barack Obama hat angekündigt, die USA wollen bis 2025 den Ausstoß von Treibhausgasen um 26 bis 28 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren. China will ab 2030 den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids senken. Ist das wirklich ausreichend?
Aber in Berliner Regierungskreisen wird registriert: Chinas Führung sei nervös, wegen Tausender ungenehmigter Demos gegen Luftverschmutzung. Auch Indien bewege sich. Letztlich wird auf eine Eigendynamik gehofft, in eine positivere Richtung als 2009 - damals scheiterte in Kopenhagen ein erster Anlauf für ein globales Abkommen kläglich. Alle Staaten sollen möglichst bis Lima, spätestens aber bis Ende März ihre nationalen Minderungsziele angeben. In Peru werde es vor allem darum gehen, welche Gase einbezogen werden und auf welche Zieljahre sich die Verpflichtungen beziehen sollen, sagt der deutsche Klima-Unterhändler Karsten Sach.
Die EU will bis 2030 mindestens 40 Prozent weniger CO{-2} ausstoßen im Vergleich zu 1990, China, mit Abstand größter Emittent, will bis dahin mehr als heute schon ausstoßen. Anders als im Kyoto-Protokoll, von Merkel 1997 als Umweltministerin einst mit erstritten, könnte es nicht verbindliche Regelungen, sondern ein Sammelsurium nationaler Ziele geben, mit denen sich das Zwei-Grad-Ziel nicht mehr erreichen lässt. Ein rechtsverbindliches Abkommen scheint derzeit utopisch.
Bisher ist es oft ein frustrierendes Nullsummenspiel - die EU spart mühsam CO{-2} ein, andere Staaten stoßen um so mehr aus. Letztlich könnte nur ein globaler Handel mit CO{-2}-Verschmutzungsrechten den Ausstoß kontrolliert deckeln. Also ein weltweiter Preis für den Ausstoß von CO{-2}.
Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung hatt eine Grafik, die heißesten Sommer in Europa seit 1500: 2010, 2003, 2002, 2006, 2007. Ohne eine baldige, aktive Klimaschutzpolitik läuft es auf drei Grad, wahrscheinlich sogar vier Grad mehr hinaus bis 2100.
Merkel kommt nun eine Schlüsselrolle zu, weil im Juni der G7-Gipfel in Bayern stattfindet, dort könnte sie die Industriestaaten auf einen ehrgeizigen Kurs einschwören. Aber schon Deutschland droht - trotz Energiewende - wegen viel Kohlestroms sein Vorreiterziel von 40 Prozent weniger Treibhausgasausstößen bis 2020 zu verfehlen.
Lutz Wicke, Professor am Institut für Umweltmanagement der Europäischen Wirtschaftshochschule Berlin, nennt sich selbst einen "grünen Schwarzen". Der frühere Berliner Staatssekretär ist ziemlich ernüchtert. "Im Grunde wird das ein Gipfel der Unverfrorenheit", sagt er mit Blick auf die Klimagipfel in Lima und Paris. "Man will das Zwei-Grad-Ziel völkerrechtlich fixieren, aber einen Vertrag beschließen, mit dem der Klimawandel praktisch ungebremst weiter fortschreitet." dpa/kah