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Für Jamaika sondieren die Parteien mit viel Personal

Für Jamaika sondieren die Parteien mit viel Personal

Berlin Wenn es bei dem Ort des Treffens bleibt, dann dürfte die Parlamentarische Gesellschaft gegenüber dem Reichstag spätestens am kommenden Freitag aus allen Nähten platzen. Denn dort sollen dann auch die Sondierungen zu dritt beginnen - und die Parteien kommen teils in Kompaniestärke in das frühere Reichspräsidentenpalais.

Es könnte also eng werden in dem verwinkelten Prachtbau direkt an der Spree.

28 Vertreter der Union aus Bund und Ländern, 14 der Grünen und eine Handvoll Liberale wollen ausloten, was in Sachen Jamaika geht und was nicht. Wohlgemerkt: Es handelt sich um Sondierungen, noch nicht um Koalitionsverhandlungen. Also um ein erstes Beschnuppern. Und doch wird aufgeboten, was Rang, Namen und vielleicht Ahnung hat. "Jeder will sich zeigen", heißt es hinter vorgehaltener Hand. Obwohl es eigentlich nur um "Atmosphärisches" gehe.

Lediglich die FDP könnte mit dem Familienauto vorfahren: Sie geht bisher mit einem festen Team von vier Leuten in die Sondierungsgespräche, das aus Parteichef Christian Lindner, Vize Wolfgang Kubicki, Generalsekretärin Nicola Beer und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Marco Buschmann besteht. "Ein Kernteam", wie es heißt, das je nach Fortgang der Beratungen ergänzt werden soll. Bei den Liberalen sieht man daher den Auflauf der anderen besonders skeptisch: "Vertrauensbildend" sei das nicht, stichelt Partei-Vize Kubicki. Man könnte es auch so formulieren: Das gegenseitige Misstrauen scheint nach wie vor groß zu sein. Freilich würden im Falle von Koalitionsverhandlungen auch bei den Liberalen die personellen Karten neu gemischt werden. Denn dann müssten beispielsweise Fachpolitiker in die Arbeitsgruppen zu einzelnen Themenfeldern geschickt werden, die dann ihre Ergebnisse der Hauptrunde zuliefern.

Bei der Union versteht man freilich die Aufregung um die Größe ihrer Delegation und die vermeintlich personell aufgeblähten Sondierungen nicht. Man verweist auf die Grünen: Die hätten schließlich vor wenigen Tagen durch den Beschluss bei ihrem Länderrat, 14 Verhandler zu benennen, die Latte hoch gelegt. Außerdem bestehe die Union aus zwei Parteien, nämlich aus CDU und CSU. So kommen allein die Bayern mit elf Politikern zum Sondieren. Verschwiegen wird freilich, dass es bei der Besetzung einer Verhandlungsdelegation immer auch um interne Kräfteverhältnisse, Machtspielchen und eine gehörige Portion Eitelkeit geht.

Am Ende, so viel ist jedenfalls klar, kommt es nicht auf die Größe an. Sondern es müssen Kompromisse gefunden werden. Das letzte Wort sprechen dann immer nur ganz wenige - Kanzlerin, Partei- und Fraktionschefs und natürlich die Spitzenkandidaten.