"Für mich ist das keine Sensation"

"Für mich ist das keine Sensation"

Im Bistum Trier hat der Papst mit seinen Äußerungen zum Kondomverbot keine überschwänglichen Reaktionen ausgelöst. Erste Stimmen sind eher zurückhaltend bis vorsichtig optimistisch.

(sey/scho/DB) Was ist von der Lockerung des Kondomverbots zu halten? In der Region Trier haben die Papst-Worte am Montag keine euphorischen Reaktionen hervorgerufen.

Der aus Bitburg stammende Priester Stefan Hippler setzt sich seit Jahren in Südafrika für Aidskranke ein und will die Ausbreitung des Virus eindämmen. Er fordert schon seit langem, dass die Kirche den Gebrauch von Kondomen erlaubt. Vor zweieinhalb Jahren musste Hippler deshalb auf Druck der Deutschen Bischofskonferenz eine Lese-Reise absagen. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann verlängerte aber trotz innerkirchlichen Drucks 2009 Hipplers Vertrag für die Arbeit in Afrika.

Zu den Interview-Äußerungen des Papstes sagte Hippler gestern: "Für mich ist das keine Sensation im eigentlichen Sinne, wenn man den Kontext liest - sondern eher eine Fallüberlegung, die immer noch in den Rahmen der bisherigen Theologie passt. Allerdings könnte es sein, dass der Theologe wieder vergessen hat, dass er auch Papst ist, und das macht es dann zu einer Sensation. Ansonsten bestätigt Benedikt XVI. in dem neuen Buch die Enzyklika Humanae Vitae und alles andere.

Hippler weiter: "Ein wirkliches Umdenken kann ich noch nicht sehen. Trotzdem denke ich, dass es einen Haarriss in der Mauer gegeben hat, und Haarrisse werden bekanntlich größer …"

Der Katholikenrat ist die aus Pfarreien und Dekanaten gewählte Laienvertretung der katholischen Kirche. Manfred Thesing, Vorsitzender des Katholikenrats im Bistum Trier, sagt: "Es fällt mir schwer, das Ganze jetzt schon zu bewerten. Dazu muss man wohl das ganze Buch gelesen haben. Grundsätzlich ist der Papst ja für Überraschungen gut. Immer wenn wir uns im Rat mit dem Thema Aids in Afrika beschäftigt haben, fiel es uns schwer, damit umzugehen - wegen der kirchlichen Haltung. Da ist die geänderte Position des Papstes zur Kondombenutzung natürlich hilfreich. Ob daraus jetzt gleich eine große Bewegung zu einer offeneren Kirche wird - da muss man erst mal abwarten."

Monika Dondelinger, Fachbereichsleiterin Frauen und Familie (Teil dieses Bereiches ist auch die Schwangerenberatung) beim Caritasverband Westeifel in Bitburg, sagte dem TV am Montag:

"Ich begrüße es sehr, dass der Papst Kondome zur Prävention von Aids in Einzelfällen für vertretbar hält. Gerade wenn es um diese Immunschwächekrankheit geht, können Kondome das Mittel sein, das viel Leid verhindern kann. Sexualität ist meiner Meinung nach an die Bereitschaft gebunden, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen. Wenn ich von einem mündigen Menschen erwarte, dass er Verantwortung übernimmt, braucht er auch Entscheidungsspielräume."

"Es ist gut, wenn sich auf diesem Feld überhaupt etwas tut", sagt Anja Peters, Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Bistum Trier. "Damit gewinnt die katholische Kirche ein Stück Glaubwürdigkeit. Der Papst macht es vor allem Priestern, Ordensleuten und kirchlichen Laien in der Entwicklungshilfe leichter, die bisher nur ungern auf dieses Thema angesprochen werden wollten."

Extra "Humanae Vitae": Mit der päpstlichen Enzyklika "Humanae Vitae" von Papst Paul VI. hat die katholische Kirche 1968 ihr Nein zur künstlichen Empfängnisverhütung formuliert. In der Enzyklika heißt es unter anderem: "Männer, die sich an empfängnisverhütende Mittel gewöhnt haben, könnten die Ehrfurcht vor der Frau verlieren und, ohne auf ihr körperliches Wohl und seelisches Gleichgewicht Rücksicht zu nehmen, sie zum bloßen Werkzeug ihrer Triebbefriedigung erniedrigen und nicht mehr als Partnerin ansehen, der man Achtung und Liebe schuldet. " "Sittlich geordnete Geburtenregelung aber verlangt von den Gatten (...) eine ständige Bemühung um allseitige Beherrschung ihrer selbst und ihres Trieblebens." "Um das Problem des Bevölkerungszuwachses zu lösen, kann und muss die staatliche Gewalt einen anderen Weg gehen: den einer weisen und vorausschauenden Bildungs- und Familienpolitik, die das Sittengesetz und die Freiheit der Bürger sicherstellt." (dpa)