"Ganz normaler Wettbewerb"

TRIER. Zahnersatz ist teuer. Mitunter können die Kosten für den Patienten in die Tausende gehen. Warum also nicht Preise vergleichen? Internet-Auktionen machen es möglich.

"Die anderen können das auch, die wollen das nur nicht." "Die anderen", das sind die Kollegen von "Eifelzahnarzt". Seit einem Jahr "ersteigert" der Dentist aus dem Kreis Bitburg-Prüm im Internet Zahnbehandlungen - um bis zu 50 Prozent liegt er dabei unter dem Angebot seiner Kollegen. Fünf Patienten konnte er so schon zusätzlich gewinnen. Und die haben ihm eine gute Bewertung im Internet-Auktionshaus eingebracht: "Superfreundlicher Zahnarzt", "ein Zahnarzt, der sich um das Wesentliche kümmert" oder "absolut empfehlenswert" lauten die Kommentare der Patienten. Obwohl er an den Auktionen nichts Anstößiges findet ("Das fördert doch den freien Wettbewerb."), will er nicht, dass sein Name genannt wird. Die Angst vor den Kollegen, vor eventuellen Sanktionen durch die Zahnärztekammer ist doch größer als der Mut, zu den nicht verbotenen Auktionen zu stehen. Durch höhere Eigenbeteiligung ist Zahnersatz für viele Patienten mittlerweile unerschwinglich geworden. Kosten für Kronen, Brücken und Implantate gehen schnell in den vierstelligen Bereich. Folge: Immer weniger lassen sich notwendigen Zahnersatz machen. Die Zahnärzte spüren die Zurückhaltung. "In den ersten sechs Monaten des vergangenen Jahres ging mein Umsatz um 70 Prozent zurück", klagt "Eifelzahnarzt". Daher hat er seine Preise gesenkt.Billigere Kronen aus der Türkei

"280 Euro Selbstbeteiligung für eine Krone kann sich doch ein Normalverdiener kaum leisten", sagt der Zahnarzt. Statt teurere deutsche Kronen verwendete er zunächst fast um die Hälfte billigere aus der Türkei, zu einer annehmbaren Qualität, wie er sagt. Mittlerweile habe er auch ein deutsches Zahnlabor gefunden, dass ihm die Kronen zu einem günstigen Preis verkaufe. Seitdem kämen wieder mehr Patienten zu ihm: "Ich mache doch lieber in der Woche vier Kronen für je 150 als eine für 250 Euro." Verlust mache er dabei keinen, versichert "Eifelzahnarzt". Immer mehr Kollegen denken so wie er. Die Versteigerungen von Zahnbehandlungen boomen. Vorreiter war der Neusser Diplom-Kaufmann Holger Lehmann. Auf seiner Plattform "2te-zahnarztmeinung.de" machen mittlerweile über 500 Zahnärzte aus ganz Deutschland, unter ihnen auch "Eifelzahnarzt", Angebote für Kronen, Brücken oder Prothesen. Sie unterbieten dabei ihre Kollegen oft um ein Vielfaches. Auch die Krankenkassen unterstützen das neue Angebot. 29 Kassen werben bereits auf der Internetseite. Ihre Versicherten können ihren Heil- und Kostenplan für eine Behandlung kostenlos ins Netz stellen. "Im deutschen Gesundheitswesen fehlt bislang die Transparenz auf der Preisebene", sagt Claudius Schikora, Geschäftsführer und Gründer von "arztpreisvergleich.de", einer weiteren Plattform für Behandlungs-Auktionen. Außerdem können Ärzte direkt miteinander verglichen werden. Mit dem an den Internet-Auktions-Primus Ebay angeglichenen System werden die Leistungen der Mediziner bewertet und damit öffentlich. Seit Langem versucht die Bundeszahnärztekammer, gegen die Internetangebote juristisch vorzugehen. Die Berufsordnung verbietet es, einem Zahnarzt gegen Geld Patienten zuzuweisen. Da der im Internet genannte Preis jedoch nur eine Kostenschätzung ist, gibt es bislang keine juristische Handhabe gegen Kollegen wie "Eifelzahnarzt".