Geburtstag ohne Glanz

Der französische Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wird am Mittwoch 60. Doch nach seinem Comeback im Herbst wirkt der konservative Politiker blass und ideenlos.

So richtig zum Feiern kommt Nicolas Sarkozy am Mittwoch nicht. An seinem 60. Geburtstag trifft der Chef der französischen Konservativen Vertreter der streikenden Notärzte SOS Médécins. Der auch als "Speedy Sarko" bekannte Ex-Präsident will damit wohl zeigen, dass die Probleme Frankreichs für ihn wichtiger sind als sein persönlicher Festtag. Der hyperaktive Jubilar war gut zwei Jahre nach seiner Abwahl im September in die Politik zurückgekehrt. Seine Partei, die UMP, wählte ihn wenige Wochen später zum Parteichef. Doch dem Comeback des ehrgeizigen Sohns eines ungarischen Einwanderers fehlt der Schwung. Drei Viertel der Franzosen waren im Oktober der Meinung, dass die Rückkehr Sarkozys misslang. Der Politiker, der bei seiner Wahl zum Präsidenten 2007 noch mit seinem Elan bestach, habe keine neuen Ideen präsentiert.

Blass wirkt Sarkozy vor allem angesichts der islamistischen Anschlagserie, die Frankreich vor drei Wochen erschütterte. Schnell schloss sich der Oppositionschef zwar dem Appell zur nationalen Einheit an und traf sich im Elysée-Palast mit dem sozialistischen Amtsinhaber François Hollande, der ihn 2012 im Rennen um die Präsidentschaft geschlagen hatte. Doch bereits sein Auftritt beim Gedenkmarsch für die Opfer geriet zur Lachnummer: Sarkozy, der mit seiner Frau Carla Bruni erschienen war, drängelte sich vorübergehend in die erste Reihe der Staats- und Regierungschefs vor.

Popularität Hollandes wird zum Problem

Im Umgang mit den Terroristen stahl ihm Regierungschef Manuel Valls die Show. In einem Fernsehauftritt präsentierte Sarkozy vergangene Woche Ideen, die längst schon umgesetzt werden - wie beispielsweise Überstunden für Polizisten. Für einen ehemaligen Innenminister, der sich bei den Vorstadtunruhen 2005 durch eine Politik der harten Hand profiliert hatte, wirkte Sarkozy konzeptlos.

"Der UMP-Chef scheint verloren zu sein", schreibt die Zeitung "Les Echos". "Sarkozy kann nicht so einfach wie er wollte, die Rolle des Gegenspielers von François Hollande übernehmen." Denn die meisten Franzosen sind der Ansicht, dass der Präsident genau richtig auf die Anschlagserie reagierte. Die Popularität des Staatschefs stieg dadurch um 21 Prozentpunkte an. Die Rolle des Retters der Nation, in der Sarkozy sich bei seiner Rückkehr in die Politik sah, passt nun nicht mehr.

Treffen mit Merkel in Berlin

Doch immerhin schaffte der gelernte Anwalt es, seine zerstrittene UMP wieder zu einen. Vorerst. Denn mit den beiden früheren Premierministern François Fillon und Alain Juppé hat Sarkozy zwei starke Gegenspieler. Seinen jungen Rivalen Bruno Le Maire, der bei der Wahl zum Parteivorsitzenden achtbare 29 Prozent erhielt, versucht der UMP-Chef einzubinden. Er nahm den Ex-Minister, der fließend deutsch spricht, am Montag mit zu einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Allerdings erinnerte die Begegnung in der CDU-Zentrale kaum noch an die Zeiten, als Sarkozy zusammen mit der Bundeskanzlerin als Tandem "Merkozy" Europapolitik machte.

Gerne würde der Ex-Präsident an diese Zeiten anknüpfen. Der UMP-Vorsitz ist für ihn nur eine Stufe auf dem Rückweg zum Elysée-Palast, wie seine Getreuen immer wieder klarmachen. Ob der Vater von vier Kindern, der mit der Sängerin Carla Bruni eine erst dreijährige Tochter hat, dort noch einmal einzieht, ist allerdings fraglich. Denn dazu muss Sarkozy nicht nur die Wahl 2017 gewinnen, sondern auch die zahlreichen Affären überstehen, mit denen er in Verbindung gebracht wird.