Gegensteuern verpasst

Die Deutschen verschlafen ihre Zukunft. Seit langem ist absehbar, dass die Bevölkerungszahl langfristig dramatisch zurückgeht. Die aufgeregte Diskussion um die Sicherung von Renten und Generationenvertrag ist nur ein Aspekt der inzwischen unausweichlichen Entwicklung.

Und dieser Wandel ist dramatisch, auch wenn nirgendwo geschrieben steht, dass eine Nation nicht schrumpfen darf. Statistiker rechnen in Generationen, während Politiker bisher nur auf Wahlperioden geschielt haben. Die schwindende Lust auf Kinder wurde achselzuckend übergangen. Mit seiner Geburtenrate liegt Deutschland seit Jahrzehnten europaweit mit am Ende. Doch um Geld in die Zukunft, sprich in Betreuungsangebote, Bildung, Ausbildung und Hochschule zu stecken, dazu reichte die Erkenntnis nicht. Viel zu spät wurden Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder auch schlichtweg die Bedeutung der Familie thematisiert. Stattdessen kamen Kinder in Verruf, Selbstverwirklichung, Konsumansprüchen oder individueller Freiheit im Wege zu stehen. An dieser gesellschaftspolitischen Herausforderung sind alle Parteien gescheitert. Zumal die Zukunftsängste in den vergangenen Jahren horrend gestiegen sind und folglich den Wunsch nach Kindern erst recht nicht beflügelt haben. Darauf zu spekulieren, mit gezielter Zuwanderung aus dieser Malaise herauszukommen, wird nicht tragen. Allenfalls ist damit eine gewisse Entlastung zu erreichen. Vor allem die Kommunen werden gefordert sein, mit den Herausforderungen fertig zu werden. Sie werden um Arbeit, Lebensqualität und Menschen wetteifern müssen. Doch bei weitem nicht alle werden gewinnen können. Echte Gewinner wird es am Ende ohnehin keine geben j.winkler@volksfreund.de