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Luftverkehr
Gehaltsverhandlungen: An den Flughäfen könnten bald die Kontrolleure streiken

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Symbolfoto FOTO: dpa / Thomas Frey
Frankfurt/Main. Ihr Job ist stressig und bei vielen Passagieren sind sie nicht gerade beliebt. Aber die Kontrolleure an den Sicherheitsschleusen können ganze Flughäfen lahmlegen. Gerade verhandeln sie über ihre Gehälter. Von Christian Ebner, dpa

20 Euro Stundengrundlohn für alle - die Gewerkschaft Verdi hat eine griffige Formel für den Tarifkonflikt gefunden, der in den kommenden Wochen für Probleme im deutschen Luftverkehr sorgen könnte. Es geht um rund 23 000 Beschäftigte, die Passagiere, Personal und Fracht an den Zugängen zum Sicherheitsbereich kontrollieren und unterstützen. Vor allem die rund 19 000 Luftsicherheitsassistenten sind wegen ihrer Streikmacht gefürchtet und haben bereits in den vergangenen Jahren kräftige Gehaltszuwächse durchgesetzt. Für den reibungslosen Flugbetrieb sind sie genauso unverzichtbar wie Piloten, Flugbegleiter oder Lotsen.

Die Verhandlungen, die an diesem Mittwoch (5. Dezember) in die dritte Runde gehen, sind kompliziert. Dem neu gegründeten Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) sitzen in getrennten Verhandlungen die Gewerkschaften Verdi und Deutscher Beamtenbund (DBB)/Komba gegenüber, die durchaus unterschiedliche Vorstellungen haben. Zudem wollen alle drei Partner bundesweite Regelungen finden, während es aktuell noch 14 regionale Tarifwerke mit höchst unterschiedlichen Lohnhöhen gibt. Zahlen muss in allen Fällen der Passagier, weil die Kosten für die Kontrollen über Gebühren auf den Ticketpreis geschlagen werden.

«Die Leute müssen für ihren anspruchsvollen und wichtigen Job einfach gut bezahlt werden. Und sie brauchen auch Perspektiven», sagt DBB-Verhandlungsführer Volker Geyer. Seine Gewerkschaft verlangt zusätzliche Tarifgruppen für Gruppenleiter oder Ausbilder. «Die Arbeitgeber lösen das bislang viel lieber mit Zulagen. Das wollen wir ändern.»

Die Beschäftigten, für die Verdi 20 Euro und DBB/Komba 19,50 Euro einheitlichen Stundenlohn fordern, verdienen derzeit in einer Spanne zwischen 11,30 Euro (Gepäck- und Personalkontrolleure in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt) und 17,16 Euro (Passagierkontrolleure in Baden-Württemberg). Die Verdi-Forderungen belaufen sich damit auf sportliche Steigerungen zwischen 77 und 17 Prozent zuzüglich höherer Zulagen. Im Sommer wurden Aushilfen aber auch schon mit Stundenlöhnen von bis zu 19,50 Euro geködert, so dass die geforderte Marke doch nicht so weit weg scheint.

Brisanz gewinnt der Konflikt, weil die Gewerkschaften gleiche Bezahlung für Passagierkontrolleure und die bislang geringer entlohnten Assistenten für Fracht und Personal verlangen. Die beiden Gruppen werden nach dem Luftsicherheitsgesetz bislang unterschiedlich ausgebildet. Nur die Kontrolleure mit Passagierkontakt werden für ihre Tätigkeit von der Bundespolizei mit hoheitlichen Rechten «beliehen».

Die anderen dürfen selbst bei übervollen Terminals und langen Warteschlangen nicht aushelfen, was auch den Arbeitgebern nicht passt. Sie würden lieber das Personal einheitlich ausbilden, um es zwischen den unterschiedlichen Kontrollpunkten frei austauschen zu können. «Uns schwebt dabei der Status einer IHK-geprüften Fachkraft vor», sagt BDLS-Sprecherin Silke Wollmann. Verdi will hingegen einen neuen Ausbildungsberuf definieren, was aber Jahre dauern dürfte. Selbst für eine Reform der Schulungen bedarf es wohl Änderungen im Luftsicherheitsgesetz.

Die Arbeitgeber haben einen Anpassungszeitplan vorgeschlagen, der innerhalb von sechs Jahren in den Beschäftigtengruppen zur bundesweiten Lohngleichheit führen soll. Eine Angleichung zwischen den einzelnen Berufsgruppen wollen sie hingegen erst angehen, wenn tatsächlich gleiche Qualifikationen vorliegen.

«Sechs Jahre? Das ist uns viel zu lang, weil die Kollegen im Osten die gleiche Arbeit machen», sagt Verdi-Sprecher Günter Isemeyer. Die DGB-Gewerkschaft sieht sich an den Flughäfen gut aufgestellt und droht bereits recht unverhohlen mit Streiks. «Wir sind in der Lage, an allen Flughäfen Aktionen durchzuführen», sagt Isemeyer. Die Friedenspflicht endet mit dem Jahreswechsel, vorher sind bereits kleinere Arbeitsniederlegungen denkbar.