Geheiligt vom Hass

Fußball ist für manche eine Religion. Wenn das so ist, mag sich José Mourinho vielleicht wie der kleine Bruder von Osama bin Laden vorkommen.

Fußball ist für manche eine Religion. Wenn das so ist, mag sich José Mourinho vielleicht wie der kleine Bruder von Osama bin Laden vorkommen. Der 42-jährige Portugiese ist Trainer beim Londoner Milliardärs-Klub FC Chelsea. Er hat mit Porto die Champions League gewonnen. Schön für Porto, schlecht für die Welt: Denn seitdem sieht sich Mourinho auf Augenhöhe mit Gott. Seine gnadenlose Selbstüberschätzung schadet mittlerweile dem Profi-Fußball in ganz Europa. Denn Mourinho lässt sich seinen Erfolg von jedem kranken Mittel heiligen, auch vom Hass. Bei Chelsea hat er nicht nur viel Erfolg, sondern auch jede Menge Brandstifter, die – wenn nötig – jeden (verbalen) Funken in ein Flammenmeer verwandeln. Vor ein paar Tagen bekam das Weltklasse-Schiedsrichter Anders Frisk nach Mourinhos öffentlicher Kritik zu spüren. Chelsea-Fans zermürbten den Schweden nach dem Champions-League-Hinspiel gegen Barcelona mit kistenweise Morddrohungen. Frisk trat daraufhin zurück. Das ist völlig verständlich – auch wenn die Aussage bitter ist: Die Vernunft kapituliert, der Wahnsinn geht in Führung. Mourinho ficht das nicht an, frei nach dem Motto: Ist das Feuerzeug schuld, wenn die Bude brennt? Volker Roth, Vorsitzender der DFB-Schiedsrichter-Kommission, bezeichnete Mourinho nun als "Feind des Fußballs". Der Portugiese will gegen diese Behauptung klagen. Vor Gericht könnte der Machtmensch aber zum ersten Mal richtig das Verlieren lernen: Denn wenn Fußball noch ein Sport ist mit einer Spur Fairplay, ein Spiel ohne Zynismus, keine Bühne für Theatermacher – dann sind die Mourinhos seine natürlichen Feinde. Preisfrage: Ist er das denn noch? a.feichtner@volksfreund.de