Gelbe Karte für Ex-Chef

Die Ermittlungen gegen mehrere Funktionäre des rheinland-pfälzischen Sozialverbands VdK sind beendet. Der Ex-Landesvorsitzende Andreas Peifer kommt vermutlich mit einem blauen Auge davon - wenn das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft folgt.

Trier/Mainz. Wer Andreas Peifer auf die Zeit vor zwei Jahren und das seinerzeit Erlebte anspricht, merkt sofort, wie es den 58-Jährigen aufwühlt. "Das war eine schlimme und belastende Geschichte, die mir sehr an die Nerven gegangen ist", sagt der ehemalige Landesvorsitzende des Sozialverbands VdK. Er habe damals zwar nicht alles richtig gemacht, "aber auch nicht alles falsch. Und dafür bin ich öffentlich hingerichtet worden".
Anfang August 2012 trat der seit zwölf Jahren amtierende Andreas Peifer als VdK-Landeschef zurück. Drei Jahre vor Ablauf seiner regulären Amtszeit. In den Tagen und Wochen davor waren die Vorwürfe gegen Peifer immer massiver geworden. Es ging um von ihm angeblich verschuldete Fehlinvestitionen in beträchtlicher Höhe und seinen autoritären Führungsstil. Zuletzt wurden sogar Vorwürfe laut, Peifer habe sich persönlich bereichert und monatlich mehrere Hundert Euro kassiert, für die es keinerlei Beschluss gebe. Peifer bestritt dies vehement.
Zwei Monate nach Peifers Rücktritt leitete die Koblenzer Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Landesvorsitzenden und sechs weitere VdK-Funktionäre Ermittlungen ein - wegen möglicher Untreue und Steuerhinterziehung. Gut zwei Jahre später hat die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen nun beendet, wie Oberstaatsanwalt Hans Peter Gandner auf Anfrage unserer Zeitung bestätigte. Das Ergebnis: Sechs Verfahren werden eingestellt, zwei davon mit Auflage. Und im Verfahren gegen den ehemaligen VdK-Landesvorsitzenden hat die Koblenzer Staatsanwaltschaft beim zuständigen Amtsgericht einen Strafbefehl beantragt - wegen Abgabe unrichtiger Steuererklärungen und Untreue durch Zahlungen von Vergütungen, die nach der damaligen VdK-Satzung nicht zulässig waren, wie es heißt. Peifer soll deshalb eine sogenannte Verwarnung mit Strafvorbehalt bekommen, eine Art Geldstrafe zur Bewährung. Sie wird nur fällig, wenn Andreas Peifer sich innerhalb einer bestimmten Zeit noch einmal etwas zuschulden kommen lässt.
Peifer wollte sich auf TV-Anfrage am Freitag nicht zu einem möglichen Strafbefehl äußern. Auch eine Sprecherin des VdK-Landesverbands sagte, von einem Verfahrensende sei bislang nichts bekannt. Und erst danach werde über einen möglichen Ausschluss des ehemaligen Vorsitzenden entschieden. Ein entsprechendes Verfahren ist beim Beschwerde- und Schlichtungsausschuss anhängig, ruht allerdings bis zum Abschluss der Ermittlungen.
Peifer ist zwar kein VdK-Landesvorsitzender mehr, aber als Vorsitzender des VdK-Kreisverbands Cochem-Zell noch bis 2016 gewählt. Ein hochrangiger VdK-Funktionär sagt, dass die Gräben zwischen Peifer-Anhängern und -Kritikern immer noch nicht zugeschüttet seien, auch wenn sich der neue Landesvorsitzende Willi Jäger alle Mühe gebe. Erst wenn dies gelungen sei, würde der VdK auch wieder "richtig wahr- und ernst genommen".Extra

Der VdK ist in Rheinland-Pfalz mit 178 000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung behinderter Menschen, chronisch Kranker, Sozialversicherter und Rentner. Er berät sie in sozialrechtlichen Fragen und vertritt sie vor den Sozialgerichten. Landesweit gibt es 28 VdK-Kreisverbandsgeschäftsstellen und vier Rechtsschutzstellen in Mainz, Koblenz, Speyer und Trier. Zweitgrößter Kreisverband im Land ist Trier-Saarburg mit rund 11 000 Mitgliedern. sey