Gema fordert Gebühren: Kitas sollen für das Singen zahlen

Gema fordert Gebühren: Kitas sollen für das Singen zahlen

Kindergärten und Kindertagesstätten werden künftig bundesweit zur Kasse gebeten, wenn die Kleinen bei Festen ein Ständchen bringen oder Texte für die Eltern zum Mitsingen kopiert werden.

(us/cus) Kein „Si-Sa-Singemaus“ oder „LaleLu“ mehr ohne klingende Kassen? Die Verwertungsgesellschaft Musikedition pocht auf ihr Recht, Lizenzgebühren von Kitas für Konzerte und kopierte Noten zu erheben. Als Inkassounternehmen tritt dabei die Gema auf (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte). Sie verlangt für 500 Kopien pro Jahr 56 Euro plus Mehrwertsteuer. Bundesweit hat die Gema schon 36.000 Kitas angemahnt.

Daraus ergeben sich Fragen: Steigen die Kita-Gebühren? Müssen kleine Auftritte vor Senioren oder bei Kindergartenfesten wegen Gebühren ausfallen? Müssen Erzieherinnen jede einzelne Kopie auflisten?

„Wir haben bisher keine offiziellen Informationen dazu“, sagt Ralf Frühauf, Pressesprecher der Stadt Trier. Intern sei dann zu besprechen, wie die Stadt als Träger reagiere.

In der Region Trier stehen 103 katholische Einrichtungen in Trägerschaft der gemeinnützigen Kita GmbH. Geschäftsführer Konrad Berg: „Das Thema ist für uns nicht neu.“ Ob Gebühren anfielen, hänge von den konkreten Umständen der Veranstaltung ab: „Unsere Einrichtungen sind informiert und wissen, wie sie zu verfahren haben.“

Während sich manche Politiker über Abzocke ereifern, will das rheinland-pfälzische Bildungsministerium eine pragmatische Lösung, um beiden Seiten gerecht zu werden. Um die Träger und die Kitas zu entlasten, hält das Ministerium einen Pauschalvertrag für sinnvoll und ist bereit, die Verantwortlichen bei Verhandlungen mit der Gema zu unterstützen, erklärt Sprecher Wolf Jürgen Karle. Als Vorbild gelten Verträge, die es bereits für die Schulen sowie für offene Kinder- und Jugendeinrichtungen gibt.

Während Gema-Sprecher Peter Hempel erklärt, dass die Verbände das Angebot eines Pauschalvertrags schon lange einfach „ignorieren“, kontert Uwe Zimmermann vom Städte- und Gemeindebund verärgert: „Die Verhandlungen laufen noch, und wir hoffen auf einen baldigen Abschluss. Kitas sind nicht der richtige Schauplatz, um Verluste der Musikindustrie auszugleichen.“