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Gemeinsamer Kampf für mehr weiße Riesen im Wald

Gemeinsamer Kampf für mehr weiße Riesen im Wald

Rheinland-Pfalz ist mit etwa 42 Prozent Waldfläche das waldreichste Bundesland in Deutschland. Jahrelang waren Windräder im Wald verpönt, doch die ehrgeizigen Ziele der Energiewende machen die Nutzung unumgänglich.

Mainz. Die Kommunen in Rheinland-Pfalz sind nicht immer gut auf die Landesregierung zu sprechen. Vor allem wenn\'s ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. Da die Kassen leer sind, wird gerne und laut über Mainz geklagt. Ganz anders verhält es sich bei der Energiewende - hier herrscht offenbar eitel Sonnenschein. "Was uns eint, ist die Akzeptanz und die Zielsetzung", sagt Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne). Aloysius Söhngen und Heijo Höfer, der Vorsitzende des Gemeinde- und Städtebundes und sein Stellvertreter, pflichten bei.
Das Engagement des Landes in Sachen Energiewende kommt bei den kommunalen Verbandsvertretern gut an. "Die Zusammenarbeit ist sinnvoll und außerordentlich begrüßenswert", sagt Söhngen. Er bezieht sich auf den geplanten partnerschaftlichen Ausbau der Windkraft im Wald. Dort stehen landesweit etwa 110 "weiße Riesen", doch es sollen mehr als doppelt so viele werden. Wie viele genau, vermag niemand zu sagen. "Das hängt von Faktoren wie dem Repowering ab, bei dem kleinere Anlagen durch größere, leistungsfähigere ersetzt werden", erklärt Michael Diemer, Referent im Ministerium.
Werbung für Solidarpakte


Das Land fördert den Ausbau der Windkraft im Wald, indem der Landesbetrieb Landesforsten einen Teil seiner Flächen für kommunale Windparks zur Verfügung stellt und einen Teil seiner Pachteinnahmen abgibt. Im Prinzip stellt der Vorstoß des Landes eine Vereinbarung über die gemeinsame Nutzung von Eigentum dar. Mehr als die Hälfte der Wälder gehört den Kommunen, sie sind im Rahmen der Daseinsvorsorge auch für die Energieversorgung zuständig. "Die Ortsgemeinden sind die entscheidenden Akteure bei der Energiewende", betont Heijo Höfer. Die traditionell gute Zusammenarbeit mit den Forstämtern werde nun auf die Windenergie ausgedehnt.
Besonders im Auge haben sowohl Forstministerin Höfken als auch der Gemeinde- und Städtebund, dass eine "Verspargelung" der Landschaft verhindert wird. Neue Anlagen sollen nur dort entstehen, wo der Wind kräftig bläst. Deshalb appellieren beide Seiten an die Kommunen, sich zu Solidargemeinschaften zusammenzuschließen, von denen es bislang erst eine Handvoll gibt.
Bei einem Solidarpakt würden Gewinne und Lasten gerecht verteilt, sagt Ministerin Höfken. Auch Gemeinden, die zwar keine sinnvollen Standorte für Windkraftanlagen hätten, aber Lasten in Form von Durchleitungen zu tragen hätten, könnten von den Pachteinnahmen für Windräder profitieren, wenn diese in einen Topf gezahlt und an alle Ortsgemeinden einer Verbandsgemeinde ausgeschüttet würden.
Die Stimmung für Solidarpakte sei "ganz gut", unterstreicht Heijo Höfer. Denn die Energiewende werde "nicht von oben verordnet, sondern sie wird unten verhandelt". Dass dies nicht ganz einfach ist, wissen die Verbandsvertreter sehr wohl. "Man wird vor Ort Lösungen finden", zeigt sich Aloysius Söhngen zuversichtlich.Extra

Landesforsten: Der Landesbetrieb hat laut seinem Leiter Jens Jacob rund 2000 Mitarbeiter. Er ist auf der gesamten Landesfläche präsent und für alle Wälder in Rheinland-Pfalz zuständig. Die Organisation ist dreistufig: An oberster Stelle steht das Forstministerium, ihm folgt die Zentralstelle der Forstverwaltung (obere Behörde) mit den Servicestellen. Nachgeordnet folgen die 45 Forstämter (untere Behörde).fcg