Genügend Luft für vier Jahre

Im vergangenen Jahr sprudelten die Kirchensteuer-Einnahmen, in diesem Krisenjahr gehen sie dramatisch zurück: Das Bistum Trier muss 2009 in den Sparstrumpf greifen, um seinen Haushalt auszugleichen. Beruhigend, wenn man da noch einen finanziellen Puffer hat.

Trier. Wäre Deutschlands ältestes Bistum ein Unternehmen, das nichts mehr auf der hohen Kante hat und dem keine Bank mehr einen Eurocent leiht, sähe es jetzt düster aus. Nur durch die Entnahme von 30 Millionen Euro aus der sogenannten Freien Rücklage können die Bistumsverantwortlichen in diesem Jahr ihren Haushalt ausgleichen. Bei einem Haushaltsvolumen von 343 Millionen Euro heißt das: Fast jeder zehnte Euro, der ausgegeben wird, kommt aus dem Ersparten.

Was natürlich die Frage aufwirft, wie lange sich das Bistum einen derart defizitären Haushalt leisten kann, konkret: "Wie viele Millionen Euro hat das Bistum eigentlich in der Freien Rücklage?"

Da druckst der oberste Verwaltungschef Georg Holkenbrink bei der gestrigen Vorstellung des Haushalts ein wenig herum. "Wenn das in dieser Höhe so weitergeht", sagt der Prälat, "können wir uns vier Jahre über Wasser halten." Soll wohl heißen: So um die 100 Millionen Euro sind schon noch da. Aber die wollen Holkenbrink und die neue Kämmerin Kirsten Straus in den nächsten Haushaltsjahren am liebsten auch lassen, wo sie sind: auf der hohen Kante. Was aber auch heißt: In Zukunft muss das Bistum Trier drastisch sparen. Die Frage ist nur wo.

Die drei größten Ausgabenblöcke sind Personal (236 Millionen Euro), Sachkosten (65 Millionen Euro) und Baukosten (40 Millionen Euro). In diesen Bereichen wäre am ehesten Geld zu sparen, um die Haushaltslücke zu schließen. Aber der Teufel steckt im Detail. Das weiß auch Verwaltungschef Georg Holkenbrink, der finanziell in einer ähnlich verzwickten Lage steckt wie sein Bruder Ulrich, der unter anderem für die Trierer Schulen zuständige Dezernent. Beide verbindet auch, dass sich die Situation in den nächsten Jahren eher noch zuspitzen dürfte, wie Georg Holkenbrink einräumt: "Der Handlungsdruck wird größer."

Marx-Nachfolger hat's nicht leicht



Auf konkrete Einsparmöglichkeiten aber will sich der Prälat nicht festlegen. Das sei schwierig, sagt er, zumal in der bischofslosen Zeit nichts Wesentliches verändert werden dürfe, sondern erst danach. Womit auch klar ist, dass die Ausgangslage für den Nachfolger von Reinhard Marx keine einfache sein wird. Der neue Bischof muss - wie sein Vorgänger - den Rotstift auspacken.

Ein Gerücht ist übrigens, dass das Bistum durch die bislang 14 bischofslosen Monate Geld gespart habe. Für die Besoldung des Trierer Bischofs (Monatsverdienst etwa 7200 Euro) sind nämlich, wie im Preußischen Konkordat verankert, die Bundesländer Rheinland-Pfalz und das Saarland zuständig.

Meinung

Schmerzhafte Einschnitte

Es ist keine Überraschung, dass sich die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise auch auf den Trierer Bistumshaushalt auswirkt. Wo weniger Leute einen Job haben, wird weniger Einkommens- und damit auch weniger Kirchensteuer gezahlt. Das noch im vergangenen Jahr gemachte millionenschwere Plus beim Bistumshaushalt wandelt sich in diesem Jahr in ein dickes Minus um. So schnell kann's bergab gehen. Klar ist auch: Selbst wenn sich die Krise irgendwann abschwächt und wieder mehr Leute in Lohn und Brot sind, kommen die rosigen Zeiten fürs Bistum nicht wieder. Die Bevölkerung schrumpft, die Zahl der Kirchensteuer zahlenden Gläubigen ebenfalls. Der neue Trie rer Bischof muss also als eine seiner ersten Amtshandlungen ein neues Spar-Paket schnüren. Es werden Einschnitte kommen, die wehtun: Kirchenverkäufe und -abrisse, womöglich die Schließung weiterer kirchlicher Einrichtungen, ganz sicher Personalabbau. Freunde wird sich der Marx-Nachfolger damit jedenfalls keine machen. r.seydewitz@volksfreund.de

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