Gequältes Baby wieder bei seiner Mutter

Gequältes Baby wieder bei seiner Mutter

Wende im Fall des misshandelten Babys von Bitburg: Das sechs Monate alte Mädchen wurde gestern seiner Mutter zurückgegeben. Seit Februar war das wahrscheinlich von seinem Vater gequälte Kind in einer Pflegefamilie untergebracht. Das Oberlandesgericht (OLG) in Koblenz hob diesen Beschluss auf.

Trier/Bitburg. (wie/mr) Schlappe für das Bitburg-Prümer Jugendamt: Das sechs Monate alte Baby, das mehrfach misshandelt wurde, musste seiner Mutter zurückgegeben werden. Das OLG entschied gestern, die Gefahr weiterer Gewalt gegen das Kind sei derzeit "denkbar gering". Die Trennung von der Mutter schade dem Baby, heißt es in der fünfseitigen Begründung des obersten rheinland-pfälzischen Familiengerichts. Das Jugendamt Bitburg-Prüm hatte im Februar beim Bitburger Amtsgericht erwirkt, das Kind vorläufig in eine Pflegefamilie zu geben. Grund: Im Trierer Mutterhaus wurden mehrere, zum Teil ältere Rippenbrüche sowie Blutergüsse am Kopf festgestellt. Im Laufe des fast zweiwöchigen Klinikaufenthalts wurden zudem Brüche beider Unterarme des Kindes festgestellt. Der getrennt von der Mutter lebende Vater wird verdächtigt, das Kind brutal gequält zu haben, er sitzt seit März in Untersuchungshaft (der TV berichtete). Es bestehe aber kein Verdacht, dass die 19-jährige Mutter gewalttätig gegenüber dem Kind war, heißt es in dem Gerichtsbeschluss. Da die junge Frau bis Februar keinen Hinweis auf Misshandlung des Kindes gehabt habe, gebe es auch keinen Hinweis auf Versagen der Mutter. Die Klinik habe der Mutter im Januar nicht bewusst gemacht, dass das Baby misshandelt worden sein könnte. Damals wurden bei dem Baby ein Schütteltrauma und Blutergüsse am Kopf sowie laut Gericht sogar auch bereits mehrere Rippenbrüche festgestellt. Insofern sei sich die Mutter einer Gefährdung des Kindes durch den Vater nicht bewusst gewesen. Das Jugendamt, das die Erziehungsfähigkeit der Mutter bezweifelt, hatte dem Gericht empfohlen, das Kind vorläufig bei der Pflegefamilie zu lassen. Man sei "nicht gerade glücklich" über die Entscheidung, werde sie aber akzeptieren, sagte Rudolf Müller, Sprecher der Bitburg-Prümer Kreisverwaltung. Der Mutter werde erzieherische Hilfe angeboten, man habe aber keine Möglichkeit, diese zu erzwingen. In ähnlichen Fällen werde das Jugendamt künftig sensibler reagieren, sagte der Geschäftsbereichsleiter Stephan Schmitz-Wenzel am Montag im Kreistag. Nach TV-Informationen wurde das Baby gestern Mittag seiner Mutter zurückgegeben. Justiz

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