Gerichtsduell mit Folgen

Zunächst einmal sieht das Gerichtsduell zwischen Verbrauchern und Energieriese wie der Kampf zwischen David und Goliath aus. Weil sie die Gaspreiserhöhung nicht mehr mitmachen wollen, sind 52 Kunden der Hamburger Eon Hanse vor Gericht gezogen.

Zunächst einmal sieht das Gerichtsduell zwischen Verbrauchern und Energieriese wie der Kampf zwischen David und Goliath aus. Weil sie die Gaspreiserhöhung nicht mehr mitmachen wollen, sind 52 Kunden der Hamburger Eon Hanse vor Gericht gezogen. Nicht, dass die Entscheidung der Richter verbindlich für andere Gasversorger in anderen Bundesländern wäre. Doch geht vom Urteil - das wohl bis zum obersten Gericht in Karlsruhe durchgefochten werden wird - weit reichende Bedeutung aus. Müssen Versorger den Kunden Einsicht in ihre Preiskalkulation geben?

Die Antwort darauf wird auch bis nach Rheinland-Pfalz nachwirken. Während der Markt nach mehr Wettbewerb lechzt und Kunden kaum eine echte Wechselmöglichkeit haben, argumentieren die Unternehmen mit der Preisbindung ans Öl. Selbst wenn es laut der vorsitzenden Richterin für die Verbraucher Hoffnung auf Preisprüfung gibt, so werden die einen langen Atem haben müssen. Denn ein endgültiger Urteilsspruch wird erst in einigen Jahren erwartet. Stellen die Richter außerdem fest, dass die Gaspreise zumindest teilweise angemessen sind, muss auch der Kunde einen Teil der Prozesskosten übernehmen. Zur Klärung der Verbraucherrechte müssen jedenfalls einige mutige Davids in dem Kampf voranschreiten. Eine andere Möglichkeit, sich gegen die Höhenflüge der Gaspreise zu wehren, wäre es, die Gasrechnungen nur unter Vorbehalt zu zahlen, so wie es die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen im Gegensatz zu ihren Hamburger Kollegen rät. Doch das kehrt das Problem um. Will der Kunde sein Geld später wieder haben, muss er selbst nachweisen, dass die Preise unrechtmäßig waren. Das würde für den kleinen David wohl ungleich schwieriger werden als gleich per Gerichtsentscheid die Probe aufs Exempel zu machen. Den ersten mutigen Kunden gebührt also Anerkennung, Aufklärung einzufordern und sich nicht mehr von Energieriesen ins Bockshorn jagen zu lassen.

s.schwadorf@volksfreund.de