Getreidepreise so hoch wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr

Getreidepreise so hoch wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr

Frostschäden und Schimmelpilze sorgen bei vielen Getreidebauern aus der Region für Ernteeinbußen. Auf dem Weltmarkt steigen die Preise - unter anderem wegen der Jahrhundertdürre in den USA. Als Konsequenz könnte Brot bald teurer werden.

Die Getreideernte 2012 sorgt bei Landwirten in der Region für lange Gesichter. Viele erwarten niedrigere Erträge als 2011. Denn Frost und Nässe haben Schädlinge und Unkraut sprießen lassen. "Viele Körner sind verkümmert", klagt Weizenbauer Gerhard Portz aus Bekond. Er rechnet mit 30 Prozent weniger Ertrag.
Die Ernten seien "oft schwächer," als optisch zu erwarten war, bestätigt die rheinland-pfälzische Landwirtschaftskammer. Bei Raps, Winterweizen und -gerste habe der Frost "deutliche Schäden" verursacht. Der häufige Regen habe die Ernte "erschwert und verteuert".
Die Erntemengen seien aber regional sehr unterschiedlich. Landesweit rechnet die Kammer mit "durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen" Erträgen. Das Statistische Landesamt spricht von knapp 1,4 Millionen Tonnen. Damit läge die Getreideernte 2012 unter dem langjährigen Schnitt. Viele Bauern in der Region wird es jedoch härter treffen. "Einige erwarten 30 Prozent weniger Ertrag", sagt Gerhard Brenner, Geschäftsführer des Bauern- und Winzerverbands Trier-Saarburg.
"Die Ernte ist weltweit knapp", warnt Peter Haarbeck, Geschäftsführer des Verbands Deutscher Mühlen. Das liege auch an dürrebedingten Rekordeinbußen, etwa in den USA. Dadurch stiegen die Preise an den Getreidebörsen. Zum 1. Juli hätten sie "so hoch wie seit 25 Jahren nicht mehr" gelegen. Weizen koste aktuell bis 285 Euro pro Tonne, 2011 waren es 200 Euro.
Die Folgen für die Verbraucher: "Sie müssen sukzessive mit einem höheren Brotpreis rechnen", sagt Peter Becker, Präsident vom Zentralverband des deutschen Bäckerhandwerks. Bei der Großbäckerei Biebelhausener Mühle in Ayl kann Geschäftsleiterin Birgit Wacht noch nicht sagen, "ob wir die Steigerungen weitergeben". Es gebe noch Verträge mit Lieferanten. Aber: "Höhere Preise werden kommen."
Wie den Getreidebauern könnte es auch Winzern in der Region ergehen. Wegen des nassen Frühsommers rechnen auch sie mit einer geringeren Ernte als 2011.