Gravierende Defizite

Wer nach Luxemburg fährt, muss an der Grenze längst schon keinen Pass mehr vorzeigen und auch kein Geld mehr tauschen - der Europäischen Union und dem Schengener Abkommen sei Dank. Was die Bürger eines schrankenlosen Europas freut, freut aber auch die Gangster.

Je mehr Grenzen in Europa fallen, desto einfacher können auch kriminelle Banden ihren Aktionsradius erweitern. Was das in der Praxis bedeutet, davon können längst auch die Menschen zwischen Eifel, Mosel und Hunsrück ein Liedchen singen. Immer häufiger treiben (vor allem osteuropäische) Geldautomatenknacker, Falschgeldhändler oder Autoaufbrecher in der Region ihr Unwesen. Die nahen Grenzen zu Luxemburg, Belgien oder Frankreich und eine im Verhältnis zur Fläche dünne Polizeipräsenz kommen den professionell organisierten Gangsterbanden entgegen. Der Organisierten Kriminalität mit ihren Milliarden-Umsätzen das Handwerk zu legen ist eine Illusion. Allerdings: Die Strafverfolgungsbehörden müssen technisch, personell und organisatorisch in der Lage sein, möglichst vielen Banden das Geschäft zu vermiesen. Dass etwa länderübergreifende polizeiliche Ermittlungsgruppen nicht längst Usus sind, sondern allenfalls inoffiziell bestehen, ist angesichts der größtenteils international operierenden kriminellen Gruppierungen ein Skandal. Ebenso wie etwa ein polizeilicher Peil-Sender, der in Deutschland geortet werden kann, im Nachbarland aber nicht, oder Sprach- und gesetzliche Barrieren, die den raschen Informationsaustausch beispielsweise zwischen französischen und deutschen Beamten behindern. Über solche gravierenden Defizite dürfen auch grenzübergreifende Fahndungserfolge - wie in der Region zuletzt im Fall des Beinahe-Bankraubs von Bleialf - nicht hinwegtäuschen. r.seydewitz@volksfreund.de