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Grenzwerte werden seit Jahren überschritten

Grenzwerte werden seit Jahren überschritten

Berlin, Hamburg, Köln, Mainz oder Ludwigshafen: In den großen Städten werden Grenzwerte für gesundheitsschädliche Stickoxide gerissen. Verantwortlich sind auch Diesel-Autos. Sie aus dem Stadtverkehr auszuschließen, halten viele Städte für möglich.

Berlin/Trier. Geht es nach deutschen Großstädten, könnten gezielte Fahrverbote für besonders umweltschädliche Diesel-Fahrzeuge bald kommen. Als Möglichkeit für die Durchsetzung eines Verbots sehen etwa Berlin, München, Bremen und Stuttgart die Einführung der blauen Umweltplakette, wie eine Umfrage ergab. Durch den Aufkleber könnten Autos mit hohem Ausstoß von gesundheitsschädlichen Stickoxiden (NOx) aus Städten und Ballungsräumen ausgeschlossen werden. Gerade dort werden Grenzwerte immer wieder deutlich überschritten.Keine Grundlage


Die Großstädte weisen jedoch auf die bislang fehlende gesetzliche Grundlage für eine blaue Umweltplakette hin. Die Plakette wurde im Frühjahr durch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) ins Gespräch gebracht. Danach hagelte es Kritik - vor allem aus der Union und von Automobilverbänden.
Städte wie München oder Berlin warnten vor "sozialer Härte" bei der Einführung des Aufklebers.
Es bedürfe Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen. Beispielsweise für Anwohner oder Betriebe, hieß es aus den Verwaltungen. Eine Nachrüstung entsprechender Dieselautos, wie etwa zur Reduzierung von Feinstaub mit einem Partikelfilter, sei nicht möglich, darauf wies München hin.
Immer wieder werden in großen Städten und Ballungszentren EU-Grenzwerte für Stickoxide deutlich überschritten. Beim besonders gesundheitsschädlichen Gas Stickstoffdioxid (NO) stellte das Umweltbundesamt im vergangenen Jahr an rund 60 Prozent aller Messstationen an stark befahrenen Straßen Überschreitungen fest.
Der von der EU festgelegte Grenzwert von 40 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter im Jahresdurchschnitt wurde 2015 besonders deutlich in Stuttgart gerissen. Am Neckartor lag die Konzentration des lungenschädlichen Gases bei durchschnittlich 87 Mikrogramm. An der Landshuter Allee in München waren es 84 Mikrogramm pro Kubikmeter.
Auch an einzelnen Messstationen in Köln, Kiel, Heilbronn, Hamburg und Darmstadt wurden Werte von über 60 Mikrogramm pro Kubikmeter festgestellt. In Rheinland-Pfalz nimmt die Parcusstraße in Mainz mit 57 Mikrogramm den Spitzenwert ein. In Trier, wo es Messstellen in der Ostallee und im Hafen bei Pfalzel gibt, wurde der Jahresgrenzwert seit 2006 unterschritten, zuletzt mit 34 und 20 Mikrogramm. Von 1996 bis 2005 lagen die Werte auch in Trier über den heute erlaubten 40 Mikrogramm.
"Aktuell sieht die Stadt keinen Anlass, über eine Umweltzone in Trier nachzudenken", verdeutlichte ein Sprecher der Stadtverwaltung mit Blick auf die niedrigen Messwerte der vergangenen Jahre. Trier gehe das Thema offensiv von einer anderen Seite an.Trier setzt auf Elektromobilität


"Die Stadtwerke setzen bereits drei Elektro-Busse im Öffentlichen Personennahverkehr ein. Mittelfristig streben wir an, die Busflotte zu 30 Prozent auf Elektrofahrzeuge umzustellen."
Die Hoffnung liege auf der Förderung von Elektroautos und -bussen sowie dem Ausbau der entsprechenden Ladestationen. Dazu werde - wie im Verkehrskonzept festgelegt - der Ausbau der Radwege kontinuierlich vorangetrieben.
Weil die Grenzwerte in Deutschland seit Jahren überschritten werden, hatte die EU-Kommission gegen Deutschland im vergangenen Jahr ein Verfahren eröffnet. Immer wieder warnen auch Umweltorganisationen vor gesundheitlichen Risiken durch Stickstoffdioxid.