Große Blamage

Die Berliner "Wahlalternative für Arbeit und Soziale Gerechtigkeit" hat sich fürchterlich blamiert. Glaubte man ihrer Führung, dann sollten sich die Mitglieder mit einem glasklaren Votum für einen eigenständigen Antritt zur Berliner Abgeordnetenhauswahl im September entscheiden.

Daraus ist nichts geworden. Kaum ein Drittel der Basis distanzierte sich von der in Linkspartei umgetauften PDS. Der große Rest blieb entweder fern oder stimmte mit "Nein". Für die Bundesführung der WASG und die Strategen im Karl-Liebknecht-Haus ist das zweifellos ein Grund zum Aufatmen. Die Fusion beider Parteien soll zwar erst Mitte 2007 besiegelt werden. Doch im Geiste sind sich die beiden Chefetagen längst handelseinig. Zweifellos wird das Berliner Votum auch auf andere Landesverbände der WASG ausstrahlen, die ebenfalls durch eine herzliche Abneigung gegenüber den Linken aus dem Osten aufgefallen sind. Bislang richtete sich der Fokus eher auf die Wortführer, statt auf die schweigende Mehrheit. Man darf getrost annehmen, dass WASG und PDS noch manchen Strauß ausfechten werden. An der geplanten organisatorischen Vereinigung wird das aber nichts ändern. Ob sich die Linken damit dauerhaft im bundesdeutschen Parteienspektrum platzieren können, steht auf einem ganz anderen Blatt. Die wechselseitigen Boshaftigkeiten haben für große Ernüchterung über das "linke Projekt" gesorgt. Das um so mehr, als auch schillernde Führungsfiguren wie Oskar Lafontaine eher mit zweifelhaften Verbalschüssen auffallen als durch konstruktive Politik. nachrichten.red@volksfreund.de

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