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Grüne Ankunft im grauen Alltag

Grüne Ankunft im grauen Alltag

OLDENBURG. Die Grünen sind wieder das, was sie einst waren: eine reine Oppositionspartei. Auf ihrem Parteitag in Oldenburg machte sich die Partei mit dem machtfernen Dasein auf der Oppositionsbank vertraut.

Joschka Fischer hat Wort gehalten. Die Grünen wollten den "ersten Schritt zur Metamorphose von der Regierungs- zur Oppositionspartei" wagen. So hatte sich Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke diesen Parteitag in der Weser-Ems-Halle von Oldenburg gewünscht. Den ersten nach der Abwahl von Rot-Grün in Berlin. Doch es wurde eher ein orientierungsloses Stolpern, was auch daran lag, dass der grüne Übervater dem Treffen wie angekündigt ferngeblieben war."Ihr müsst jetzt nach vorn schauen", lautete seine knappe Begründung gegenüber der Parteiführung. Dabei hätte der grünen Seele ein Rückblick gut getan. Denn mit Joschkas Fehlen wurde der grüne Bedeutungsverlust auf brutale Weise sichtbar. Wo sonst Fotografen und Kameraleute in Scharen das Plenum okkupierten, verloren sich diesmal ganze zwei Fernsehstationen. Ohne Fischer kein Spannungsbogen, kein Highlight. "Das hätte ein würdiger Schlusspunkt in der Bildsprache sein können", kritisierte der grüne Querdenker Oswald Metzger das Fernbleiben des Parteistars. "Wir müssen einen neuen Anfang finden", meinte dagegen ein anderer Delegierter.

Willkommen im grauen Alltag. Bei der Wahl am 18. September haben die Grünen zwar das drittbeste Wahlergebnis ihrer Geschichte eingefahren. Doch es reichte nur zur kleinsten Oppositionspartei im Bundestag. Das rot-grüne Projekt ist auf unabsehbare Zeit begraben.

Wie damit umgehen? Welche Richtung einschlagen? Der Leitantrag, den die Delegierten ohne größere Kontroversen billigten, gibt darauf eine sybillinische Antwort: "Wenn wir Grüne im Bund mittelfristig nicht nur auf die Karte Rot-Grün oder auf die Rolle der Opposition beschränkt werden wollen, müssen wir auch daran arbeiten, neue Bündnisse parlamentarisch möglich zu machen." Ein Fingerzeig für Schwarz-Grün? Oder doch lieber Rot-Rot-Grün? Sie wissen es nicht.

Obwohl sich die Vorliebe für den vertrauten Koalitionspartner wie ein rote Faden durch die Debatte zog. "Das heißt aber nicht, dass es uns nicht interessiert, wie sich die CDU künftig verhält", meinte Parteichef Reinhard Bütikofer. Sachfragen gingen vor Machtfragen "und nicht umgekehrt", schärfte er der Basis ein. "Wenn wir nur auf Regierungssessel starrten, würden wir die Inhalte vergessen."

"Eigentlich ein überflüssiger Parteitag", raunten manche in den Gängen. Selbst die Parteispitze hatte dem Vernehmen nach ein Absage des Treffens erwogen.

So suchten viele Redner das Vakuum nach dem Prinzip Wunsch und Wolke zu füllen. "Wenn sich die CDU um 180 Grad dreht, dann können wir mit ihr koalieren", meinte eine Delegierte. "Wir werden die neue Regierung vor uns her treiben und ihr Rückschritte nicht durchgehen lassen", donnerte der scheidende Umweltminister Jürgen Trittin. Kraftmeierei einer Acht-Prozent-Partei. Nur gelegentlich klang jener Richtungsstreit an, den der Leitantrag umschiffen wollte. Christian Ströbele, Ikone der Parteilinken, sieht nur eine Alternative zur Sicherung der grünen Zukunft: Die Partei müsse sich für eine Linkskoalition mit der PDS "mehrheitsfähig" machen. Von den Delegierten erntete Ströbele dafür minutenlangen Applaus. Nicht minder lautstarken Anklang fand aber auch Fraktionschefin Renate Künast, die der Basis empfahl, "die führende Rolle" in der Opposition zu übernehmen.

Eingekeilt zwischen FDP und Linkspartei dürfte das schwer genug fallen.