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Grüne setzen auf kostenlosen Meisterbrief und lesende Wähler

Grüne setzen auf kostenlosen Meisterbrief und lesende Wähler

Umfragen sehen die Grünen vor der Landtagswahl in Rheinland-Pfalz im Tief. Mit ihrem Wahlkampfprogramm wollen sie das Ruder herumreißen. Feurige Debatten mit Rechtspopulisten scheuen die Grünen dabei nicht.

Mainz. Die Brote sind vegetarisch belegt, der Tee ist aus Bio-Anbau - und als Geschenk gibt es Sonnenblumenkerne. Grün sind sie geblieben, die Grünen. Das wollen sie in dem Café in Mainz zeigen, in dem sie ihr Programm für die Landtagswahl am 13. März vorstellen. In 52 Tagen entscheidet sich, ob die Grünen in der Regierung bleiben oder nicht. Doch ausgerechnet jetzt stecken sie in der Krise - wenn es nach den Umfragen geht. Dort sind sie zuletzt auf neun Prozent abgesackt - weit entfernt vom Traumwert: 15,4 Prozent bei der Wahl 2011. Ein "zweistelliges Ergebnis", räumt Spitzenkandidatin Eveline Lemke daher bescheiden ein, sei diesmal das Ziel. "Das wäre eine gute Basis, um die rot-grüne Koalition fortzusetzen.” Wie sie das erreichen will? "Mit einem grünen Wahlkampf." Die wichtigsten Punkte im Überblick.

Bildung: Lemke wirbt dafür, dass die Landesregierung das gebührenfreie Lernen umgesetzt habe - von Kindertagesstätten bis zu den Hochschulen. Nun geht sie die Ausbildungen im Handwerk an. Lemke fordert: "Wenn jemand den Meister macht, sollte das kostenlos sein." Zum Vergleich: Wer Elektriker-Meister werden will, muss dafür bis zu 10 000 Euro bezahlen.

Energiewende: Die Grünen setzen auf Wind- und Sonnenenergie. Damit sehen sie sich im Konflikt mit dem SPD-Parteichef, der ein Ende der Kohlekraftwerke aufschiebe. "Wenn es die Antwort von Sigmar Gabriel ist, mit der Energiewende zu warten, ist meine Antwort, diese voranzutreiben", sagt Lemke. Dem Einwand eines Journalisten, die Grünen könnten es sich mit Wählern verscherzen, die die Windkraft wegen bedrohter Vogelarten ablehnen, stimme sie nicht zu.

Integration: "Wir stehen für eine tolerante, weltoffene Gesellschaft", sagt Spitzenkandidat Daniel Köbler. Auf die Flüchtlingskrise antworten die Grünen mit Sprachkursen, Integration - und Absagen an einen Rechtsruck in der Gesellschaft. Eveline Lemke bekräftigt, Rechtspopulisten mit Argumenten begegnen zu wollen. Auch der AfD, mit der Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) bei der SWR-Elefantenrunde nicht gemeinsam auftreten will. Lemke betont: "Wir nehmen keinen Einfluss auf die Zusammensetzung von Podien." Köbler macht aber auch deutlich: "Für die politische Kultur wäre es schlimm, wenn die AfD in den Landtag einziehen würde."

Überzeugung: Im Wahlkampf setzen die Grünen auf bewährte und neue Muster. In den letzten 72 Stunden bevor die Wahllokale schließen, wollen sie rund um die Uhr letzte, brennende Fragen beantworten. Das übertragen sie im Internet - mit prominenten Gesprächspartnern. Bekannte Bundespolitiker wie Cem Özdemir, Simone Peter und Claudia Roth besuchen dazu viele Veranstaltungen in Rheinland-Pfalz. Die Taktik, einige Plakate vor Textnachrichten nur so strotzen zu lassen, nennt Eveline Lemke "Absicht". Sie sagt: "Wir setzen nicht auf einfache Polemisierung, sondern muten den Wählern zu, zu lesen und sich zu informieren."