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Grundwasser in der Region stark mit Nitrat belastet - Der EU-Kommission stinkt es, wie Deutschland mit Gülle umgeht:

Trier. Deutschland präsentiert sich beim Umweltschutz gern als Vorreiter. Beim Schutz von Grund- und Trinkwasser vor Nitrat ist die Bundesrepublik allerdings so nachlässig, dass die EU gegen sie geklagt hat. Auch in weiten Teilen der Region ist das Grundwasser verunreinigt. Katharina de Mos

Schon seit Jahren drängt die EU darauf, dass Deutschland endlich etwas unternimmt, damit weniger Nitrat in Bäche, Flüsse und ins Grundwasser gelangt. Und schon seit Jahren kündigt Berlin an, die Düngeverordnung zu verschärfen - gelten Landwirte und Winzer doch als Hauptverursacher des Problems. Passiert ist nichts. Daher hat die EU-Kommission nun Klage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht. Das könnte teuer werden: Strafen in sechsstelliger Höhe pro Tag sind möglich.

Nitrat ist ein wertvoller Pflanzendünger. Werden mit Gülle, Mist oder Kunstdünger jedoch mehr Nährstoffe ausgebracht als die Pflanzen aufnehmen können, so schadet dies der Umwelt: Gewässer werden überdüngt, Ökosysteme gefährdet. Gelangt der Stoff ins Trinkwasser, ist er auch gesundheitlich bedenklich, da Nitrate im Körper zu krebserregenden Nitrosaminen umgebaut werden können.

Das Grundwasser ist in weiten Teilen der Region in schlechtem Zustand: Betroffen sind Saar- und Moseltal, Saargau, Wittlicher Senke und der Eifelkreis Bitburg-Prüm. Eine Gefahr bedeutet dies auch fürs Trinkwasser. Zwar liegen die Nitrat-Konzentrationen am Wasserhahn durchweg unterm Grenzwert von 50 Milligramm/Liter, doch mischen die Versorger vereinzelt nitratarmes Wasser hinzu, um die Belastung zu senken. Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken fordert, die Bundesregierung müsse Gewässerschutz endlich auf ihre Agenda setzen.

Im Dezember soll dem Bundesrat nun ein Entwurf der Düngeverordnung vorgelegt werden. Dieser sieht auch vor, das Düngeverbot auszuweiten. Für Ackerflächen wäre schon am 1. Oktober und nicht erst am 1. November Schluss, für Grünland am 1. und nicht erst am 15. November.

Obwohl die Neuerungen mehr Arbeit und Bürokratie bedeuten, fordert Norbert Schindler, Chef der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, eine schnelle Einigung, um den Betrieben Planungssicherheit zu geben. Ein Problem sieht Herbert Schneider, Fischereiberater im Eifelkreis, in niederländischen Gülleimporten. "Die haben massenhaft von der Brühe rübergefahren", sagt Schneider. Rund 92.000 Tonnen Gülle, Mist und Kot wurden laut Landwirtschaftsministerium 2014 aus den Niederlanden nach Rheinland-Pfalz importiert. Mehr zum Thema

Seit Jahren angekündigt, noch immer nicht umgesetzt: Neue Düngeverordnung soll bewirken, dass weniger Nitrat in die Umwelt gelangt