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"Gut, dass die Amis geholfen haben"

"Gut, dass die Amis geholfen haben"

BITBURG. Innerhalb von Sekunden stand der Toom-Baumarkt im Bitburger Gewerbegebiet Auf Merlick gestern morgen in Flammen. Die Löscharbeiten der 130 Wehrleute gestalteten sich nicht einfach.

Sein Gesicht ist bleich. Löschwasser und Ruß haben schwarze Flecken im Gesicht hinterlassen. Dieter Scherer ist geschockt, wirkt jedoch gefasst. Der Leiter des Baumarktes steht zwei Stunden nach dem Ausbruch des Brandes fröstelnd am Rande des Parkplatzes vor dem, was mal "sein" Geschäft war. "Plötzlich ging das Licht aus, der Strom war weg und uns schlugen die Flammen in der Elektroabteilung entgegen", erzählt er. "Innerhalb von Sekunden hat es lichterloh gebrannt", sagt Auszubildende Karin Daus. Mit zwei Feuerlöschern versuchen die Mitarbeiter die Flammen, die aus dem Sicherungskasten schlagen, zu ersticken. Vergeblich. "Der Rauch wurde immer dichter, man konnte kaum noch atmen", sagt Heiko Mayer, der versucht hat, den Brand zu löschen. "Raus, raus, alle Mann raus", hat ihr Chef dann irgendwann nur noch gerufen. "Wir hatten keine Chance", sagt Scherer. Zehn Mitarbeiter sind im Geschäft gewesen. Die wenigen Kunden werden von Scherer und seinen Kollegen lautstark aufgefordert, sofort nach draußen zu rennen. Die Lautsprecher-Anlage funktioniert zu dieser Zeit schon nicht mehr. Innerhalb kürzester Zeit schlagen die Flammen aus dem Dach. "20 Meter hoch waren die bestimmt", erinnert sich Werner Rinnen vom Autohaus nebenan. Reifenhändlerin Anneliese Lippert ruft kurz vor halb elf bei der Feuerwehr an, als sie sieht, was sich hundert Meter von ihrem Geschäft abspielt. Über dem Baumarkt steigt zu dieser Zeit eine hundert Meter hohe Rauchsäule in die Luft, die kilometerweit zu sehen ist. Dunkler Qualm legt sich über die Bierstadt, selbst in der Fußgängerzone regnet es schwarze Asche. "Es bestand zu keiner Zeit Gefahr für die Bevölkerung", versichert Bitburgs Bürgermeister Joachim Streit später. Der Löscheinsatz verzögert sich. Der Hydrant vor dem Markt ist "tot", es kommt kein Wasser heraus. "Zehn Minuten haben wir versucht, den in Gang zu bekommen", sagt ein Bitburger Feuerwehrmann. Später liefern Schläuche das Wasser aus der gegenüberliegenden Brauerei. Auch aus der einen Kilometer entfernten Wohnsiedlung der Amerikaner wird Wasser per Schlauch zum Baumarkt geleitet. Die Wehren aus dem gesamten Altkreis Bitburg und aus Prüm sind im Einsatz. Den ganzen Morgen ist rund um die Bierstadt nur Sirenengeheul zu hören. Die Wehren haben Probleme an den Brandherd ranzukommen. Sie können nicht um das Gebäude herumfahren, müssen vom Parkplatz und von dem hinteren, höher gelegenen Grundstück löschen. Schnell wird klar: Hier ist nicht mehr viel zu retten. "Wir haben nur versucht zu verhindern, dass das Feuer auf den restlichen Teil des Geschäftes übergreift. Den Teil, in dem es gebrannt hat, mussten wir abbrennen lassen", sagt ein Feuerwehrmann. Auch die Feuerwehr von der US-Airbase Spangdahlem schickt Hilfe. Drei Wagen und 17 Mann helfen den 130 deutschen Feuerwehrmännern. "Ohne die Amerikaner wäre das noch viel schlimmer geworden", lobt ein Augenzeuge den Einsatz der "Freunde". Mit einer gewaltigen dreidüsigen Wasserkanone schießen Chef-Feuerwehrmann Paul Salter und seine Männer einen Spezialschaum auf die Flammen und ersticken sie sofort. Es hätte zu einer Katastrophe kommen können. Leere Öltanks sollen hinter dem Gebäude gelegen haben. Sie hätten explodieren können. Farben und Lacke sind in Flamen aufgegangen. Viele der schockierten Schaulustigen werden an den letzten großen Brand in Bitburg erinnert, als im August 1996 zwei Lagerhallen der Raiffeisen nur wenige hundert Meter entfernt niedergebrannt sind. Auch am frühen Mittag riecht es noch immer nach verbranntem Plastik. Weißer Rauch steigt aus dem total abgebrannten Markt, von dem nur noch die Außenstützen stehen. Vereinzelt schießen noch Flammen heraus, auf Regalen gestapelte Holzpalisaden brennen. Vor dem Gebäude liegen in Netzen verpackte Weihnachtsbäume. Bis zum Abend werden die Feuerwehren und das Technische Hifswerk im Einsatz sein. Auf dem Parkplatz vor dem Baumarkt gefriert das Löschwasser, ein Feuerwehrmann streut Salz drauf. Anneliese Lippert verteilt aus einer Fünf-Liter-Thermoskanne Kaffee in Pappbechern an die Feuerwehrleute. "Denen ist doch kalt, die sind fertig, da ist es doch selbstverständlich, dass man denen was Gutes tut", sagt die Geschäftsfrau während sie einem schwitzenden Feuerwehrmann den gefüllten Pappbecher reicht.