Guter Service, schlechte Nachfrage

Guter Service, schlechte Nachfrage

STEINEBRÜCK. Am A-60-Grenzübergang Steinebrück können LKW-Fahrer bereits probeweise Maut-Tickets ziehen. Aber so lange noch kein Starttermin für die Autobahngebühr steht, bleibt der Betrieb am Toll Collect-Container eher mau.

Rätselhaftes geht vor am Grenzübergang Steinebrück - so raunt es zumindest in der Eifeler Gerüchteküche. Tenor: "Da sitzen welche vom Verkehrsministerium im Container und halten LKW-Fahrer an." Angeblich habe die Aktion etwas mit der Maut zu tun.Der Betrieb geht "gegen Null"

Die Maut? Kommt sie jetzt doch? Der Trierische Volksfreund fragt nach, zuerst in Mainz. Aber beim Verkehrsministerium weiß man von nichts: "Vielleicht ist das eine Aktion vom Bundesamt für Güterkraftverkehr."Zweiter Anruf in Köln: "Da ist mir im Augenblick nichts bekannt", sagt Referatsleiter Harald Schmidt. "Sehr merkwürdig" findet er die Geschichte und schlägt vor, es einmal bei der Telekom zu versuchen. In Bonn ergibt sich dann die erste Spur: "Da müssen sie sich an die Toll Collect-Pressestelle wenden", rät Telekom-Sprecher Hans-Martin Lichtenthäler.Endlich sind wir richtig: "An den wichtigen Grenzübergängen sitzen tatsächlich Leute von uns, um den LKW-Fahrern das System zu erklären", sagt der freundliche Toll-Collect-Pressesprecher in Berlin, der aber seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will (bei den jüngsten Schlagzeilen eine verständliche Bitte).Also raus zur Grenzstation. Tatsächlich: Ein Container, gelb und gut zu sehen, auch im Eifeler Morgen-Nebel. An der Seite klebt das Logo des Toll-Collect-Konsortiums, das Deutsche Telekom, DaimlerChrysler und der französische Autobahnbetreiber Cofiroute bilden. Motto: "Service on the road". Drinnen sitzt Jürgen Bernd, zusammen mit seinem Kollegen Ronald Grüner.Aber so lange die Maut nicht kommt, bleiben die beiden meistens unter sich: "Es ist schon sehr ruhig hier", sagt Bernd. Der Betrieb gehe "gegen Null". Kaum ein LKW-Fahrer nehme bisher die Möglichkeit wahr, eine Probe-Buchung einzugeben. Immerhin: "Gestern hatten wir einen Franzosen hier."Dabei ist die Gelegenheit günstig: Ganz entspannt kann man sich eines der vier Terminals vornehmen und nach Lust und Laune probieren. Was kostet es zum Beispiel, wenn man von Steinebrück bis hinunter nach München rollen will?Wir tippen unsere Anfrage ein, Schritt für Schritt: Kennzeichen, Schadstoffklasse, Achsenzahl, Fahrtziel. Jürgen Bernd erklärt geduldig, wie alles funktioniert. Unser Ergebnis: Happige 52,52 Euro, in der niedrigsten Schadstoffklasse.Die gute Nachricht: Das Terminal funktioniert bestens, alles geht ganz schnell und einfach - im Gegensatz zur satellitengestützten Erfassung über die Geräte, die künftig an Bord vieler Lastwagen eingebaut werden sollen. Das Desaster mit den - neudeutsch - "On Board Units" ist bekannt. Eine Vignette wäre weniger anfällig gewesen.Und billiger. "Bis das Geld von dieser Schlappe wieder drin ist, müssen noch einige LKW-Fahrer zahlen", sagt Bernd. "Typisch deutsch. Die Vignette war ja nicht gut genug. Immer Vorreiter sein wollen - und dann so was.""Typisch deutsch"

Das einzig wirklich Rätselhafte in Steinebrück ist übrigens die Unterbringung der beiden: Strom und Wasser müssen sich Jürgen Bernd und Ronald Grüner per Schlauch vom Zollamt holen. "Drüben Panzerglas, hier der Container. Wir haben zwar Gitter am Fenster, aber die nützen nicht viel." Resultat: "Ein ungutes Gefühl." Dabei hätte man im Zollhaus "nur drei Zimmer ausräumen müssen, bisschen Rauhfaser an die Wand - das würde doch reichen. Und der Bund bekäme noch was für das Gebäude. Aber nein..."Wie gesagt: "Typisch deutsch", meint der Telekom-Mann, der zurzeit an Toll Collect "ausgeliehen" ist. Bernd ist einer von den Tausenden, deren Arbeitsplätze der Konzern abbauen will.Kann er sich vorstellen, auch nach der Maut-Einführung in Steinebrück "Service on the road" zu bieten? "Auch meine Familie muss essen und trinken. Bei der heutigen Marktwirtschaft ist alles denkbar. Ja, das könnte ich mir vorstellen."