H3N2 - das mutierte Virus

Trier · Wer sich gegen Grippe impfen lässt, geht auch davon aus, dass er dann vor einer Ansteckung mit den Influenza-Viren geschützt ist. In diesem Jahr ist das aber nicht der Fall. Es grassiert nämlich ein Virus-Typ, der sich nach Herstellung des Impfstoffs verändert hat.

Trier. Erste Hinweise, dass die echte Grippe, also die Influenza, dieses Mal womöglich heftiger ausfallen könnte als im vorigen Jahr, hat es bereits im Januar gegeben. Aus den USA wurde das verstärkte Auftreten eines veränderten Grippe-Virus-Typs gemeldet. Konkret handelt es sich um den Typ A H3N2. Dieser ist in den vergangenen Monaten derart mutiert, dass er mit der aktuellen Grippeimpfung nicht oder nur unzureichend abgedeckt ist.
Die Zusammensetzung des Impfstoffs gegen Influenza, der in der Regel ab Herbst zur Verfügung steht, wird von der Weltgesundheitsorganisation gegen Ende der laufenden Grippesaison anhand der dann zirkulierenden Viren festgelegt. Der Grund dafür ist einleuchtend: Die Herstellung des Impfstoffs dauert ein halbes Jahr. In dieser Zeit haben die Viren aber genügend Zeit sich zu verändern.
Der Impfstoff wird in speziell gezüchteten, keimfreien Eiern hergestellt. Dazu werden echte Grippeviren in die Eier gespritzt. Die Zellen sind durch die Eierschale geschützt, dadurch können sich die Viren schnell vermehren. Nach mehreren Tagen Brutzeit werden die Viren entnommen, gereinigt und als Impfstoff in Ampullen gefüllt.
Laut Harald Michels, Leiter des Trierer Gesundheitsamts, deckt der derzeit verwendete Impfstoff zwar die drei gefährlichsten Grippe-Viren ab. Doch die leicht genetisch veränderte Variante des Typs A H3N2 eben nicht oder zumindest nicht ausreichend.
Michels rechnet damit, dass es dieses Jahr zu einer größeren Grippewelle, einer Epidemie, kommt. Laut Robert-Koch-Institut (RKI), das für die Gesundheitsüberwachung in Deutschland zuständig ist, gehören 76 Prozent der bei Laboruntersuchungen festgestellten Grippeviren diesem mutierten Untertyp an. Ganz schutzlos seien aber bereits gegen Grippe Geimpfte nicht, so der Experte. Die Impfung biete zwar keinen sicheren Schutz vor einer Erkrankung. "Aber sie kann mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zumindest noch vor schwereren Verläufen schützen." Daher hält auch das Landesuntersuchungsamt in Koblenz auch jetzt noch eine Grippeimpfung für empfehlenswert. Vor allem für chronisch Kranke, ältere Menschen, Schwangere und Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Der Grippeschutz wirkt spätestens zwei Wochen nach der Impfung.
Schlimmstenfalls tödlich


Laut RKI erkranken jährlich zwischen fünf und 20 Prozent der Bevölkerung an Grippe. Bei kranken Menschen, Älteren und Kleinkindern kann es zu schweren Verläufen kommen. Grippeviren können etwa schwere Lungenentzündungen verursachen und das Immunsystem schwächen. Weitere Krankheitserreger können so leicht in den Körper eindringen. Schlimmstenfalls kann eine Grippeerkrankung tödlich verlaufen. Angeblich sterben jährlich mehrere Tausend Menschen an den Folgen einer Grippe. Auch Kinder, vor allem wenn sie eine Vorerkrankung haben, können ab einem Alter von sechs Monaten gegen Grippe geimpft werden.
Der beste Schutz vor Ansteckung ist laut Michels, stets die Hände gründlich zu waschen. Denn die Viren werden durch Körperkontakt oder durch Körperflüssigkeiten beim Niesen oder Husten übertragen. Wichtig sei daher, so Michels, dass alle Erkrankten, bei denen ein Grippeverdacht besteht, vorerst Kontakte meiden sollten - etwa öffentliche Veranstaltungen wie Kappensitzungen.

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