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Hahn verliert, Findel profitiert

Hahn verliert, Findel profitiert

Des einen Leid ist des anderen Freud: Während der Flughafen Hahn 2011 wegen der Streckenstreichungen durch die Fluggesellschaft Ryanair fast 18 Prozent seiner Passagiere eingebüßt hat, steigen am Lux-Airport Findel deutlich mehr Menschen ins Flugzeug. Beim Frachtflug ist es genau umgekehrt: Der Hahn verzeichnet Rekordgewinne - und Luxemburg verliert.

Lautzenhausen/Luxemburg. Agadir, Klagenfurt und Santiago de Compostela haben eines gemeinsam: Sie gehören zu den Reisezielen, die schon seit vergangenem Frühjahr nicht mehr vom Flughafen Hahn aus zu erreichen sind. Zum Winter hin hat die Fluggesellschaft Ryanair ihr Angebot dann noch weiter zusammengestrichen, so dass bis Ende März vom Hahn nur 31 der ursprünglich 49 Ziele angeflogen werden. Und das macht sich auch bei den Passagierzahlen sehr deutlich bemerkbar. Die aktuellste Statistik des Flughafenverbands ADV zeigt, dass der Hahn bis Ende November im Vergleich zum Vorjahr 17,7 Prozent seiner Passagiere verloren hat - so viele wie kein anderer deutscher Flughafen. Statt 3,2 Millionen Menschen (Januar bis November 2010) sind im gleichen Zeitraum 2011 nur noch 2,67 Millionen Fluggäste vom Hunsrück aus gestartet.
Ein ganz anderes Bild ergibt sich beim Blick ins benachbarte Luxemburg: Der Flughafen Findel hat bis Ende November 180 000 Passagiere mehr gezählt (insgesamt rund 1,7 Millionen). "Luxemburg hat davon profitiert, dass das Angebot bei uns zurückgefahren wurde", glaubt Maria Horbert, Pressesprecherin des Flughafens Hahn. Ein Teil der Passagiere komme schließlich aus Luxemburg in den Hunsrück. Fernand Brisbois, Hauptgeschäftsführer des Lux-Airports, hingegen vermutet eher, dass die Attraktivität des Angebots und die zunehmende Reiselust Ursache des höheren Passagieraufkommens in Luxemburg sind.
Beim Frachtgeschäft ist die Entwicklung genau umgekehrt. Hier hat der Lux-Airport Einbußen zu beklagen, während der Hahn Rekordzuwächse verzeichnet. 37,4 Prozent mehr Luftfracht als im Vorjahr sind bis Ende November 2011 im Hunsrück umgeschlagen worden (insgesamt 205 700 Tonnen). Als Gründe dafür nennt Maria Horbert zum einen, dass die am Hahn angesiedelte Frachtfluggesellschaft Air Cargo Germany in den vergangenen vier Jahren sehr stark geworden sei, und zum anderen, dass der Flughafen mit Qatar Cargo und Silk Way Airlines zwei neue Kunden gewonnen habe.
Dennoch wird in Luxemburg deutlich mehr Fracht ein- und ausgeladen als im Hunsrück: 2011 hat Luxair Cargo 676 000 Tonnen umgeschlagen. 2010 waren es allerdings noch 735 000 Tonnen - acht Prozent mehr. "Die Kunden transportieren weniger. Es ist Krise", sagt Luxair-Pressesprecher Asko Schröder.
Eine Krise, die zumindest im Frachtflugbereich am hoch verschuldeten Flughafen Hahn (siehe Extra) vorbeizugehen scheint. Auch, was den Passagierflug angeht, ist die Sprecherin Maria Horbert zuversichtlich. Denn Ryanair habe angekündigt, ab dem Sommer 2012 wieder 55 Ziele vom Hahn aus anzufliegen. Ob Agadir, Klagenfurt und Santiago de Compostela darunter sind, bleibt abzuwarten.Extra

Im jüngsten Beteiligungsbericht 2011 des Landes, der alle staatlichen Engagements an privaten Unternehmen auflistet, zeigt sich: Der Flughafen Hahn im Hunsrück ist ein Sorgenkind. Er hat 2010 einen Jahresverlust von 10,8 Millionen Euro eingefahren, 2011 sieht es ähnlich aus. Laut einer dem TV vorliegenden Analyse der Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers wird ein Großteil des Umsatzes - 38 Prozent - am Hahn durch Kreditzinsen für alte Verbindlichkeiten aufgezehrt. Flughäfen wie Nürnberg (24 Prozent), Köln-Bonn (19 Prozent) oder Berlin (12 Prozent) wirtschaften günstiger. Die jährlichen Verluste deckt die Flughafen-GmbH nach dem Ausstieg der privaten Fraport AG aus ihrem Eigenkapital. Geht das so weiter, wird das Geld laut Innenminister Roger Lewentz (SPD) in vier Jahren verbraucht sein. fcg