Hanseatische Schleier

Hamburg. Nichts Neues bei der Klausur-Tagung der CDU in Hamburg. Keine Aussagen zum Bundespräsidenten-Kandidaten, nichts zum Steuerstreit mit der CSU. Trotzdem ist CDU-Chefin Angela Merkel zufrieden.

Es stimmt, was ein Präsidiumsmitglied zum Schluss mit einem leichten Grinsen in der Hotellobby anmerkt, als die Riege der Ministerpräsidenten schon ihre letzten Statements vor der Abreise herunter leiert: "Es ist nichts passiert." Wie? Nichts passiert? Keine Attacken gegen die aufmüpfige CSU im Steuerstreit? Keine klaren Worte darüber, ob Wolfgang Schäuble nun nächster Bundespräsident werden soll? Oder ob vielleicht ein Bayer oder doch Klaus Töpfer die besseren Karten hat? "Nein, es ist wirklich nichts passiert", wiederholt das Präsidiumsmitglied mit ernstem Blick. Außer, dass die "historisch hohen und historisch stabilen Umfragewerte" in gemütlicher Runde begossen wurden, die Gastredner Matthias Jung von der Forschungsgruppe Wahlen der Union bescheinigt hat. Warum dann das Treffen? Die Unions-Pläne zur Belebung der Konjunktur sind das offizielle Hauptthema. Hamburg wählt jedoch, und Spitzenkandidat Ole von Beust hat die "unglaubliche Chance" auf eine absolute Mehrheit. Angela Merkels geschickter Regie ist es wohl zu verdanken, dass über all das, was die Medien zurzeit umtreibt, wenn überhaupt nur in kleinen Zirkeln an der Theke, aber nicht im großen Rund des Tagungssaals gesprochen wird. Bislang weiß ja auch niemand wirklich, wer eigentlich der Favorit der CDU-Vorsitzenden für das höchste Staatsamt ist, man beißt bei der Ostdeutschen auf Granit. Mehr als Zeitplan und Vorgehensweise verrät sie zum Klausurauftakt nicht. Ein Zugeständnis an Guido Westerwelle hat die Pastorentochter machen müssen, weil die Union die Stimmen der FDP in der Bundesversammlung braucht: Der Oberliberale will die Kandidatenkür nicht vor der Hamburg-Wahl am 29. Februar vornehmen. Der, um den es geht, nämlich Schäuble, kommt erst anderthalb Stunden später, pünktlich zum gemütlichen Abend. Hinterher sagt Merkel, dass sie ihre Ausführungen vorab mit ihm besprochen habe - die Kandidatenfrage selbst soll wieder kein Thema gewesen sein. Die Hängepartie geht weiter. Gleiches gilt für den Steuerstreit mit der CSU, "die sich ja selbst noch über ihr Konzept einigen muss", wie der rheinland-pfälzische CDU-Chef Christoph Böhr spottet. Festhalten will man am Merz-Konzept. Aber alle sind optimistisch, dass eine Einigung der Schwestern möglich ist. Aber wie? Das bleibt ebenso trübe wie das Hamburger Wochenendwetter.